Das UFO-Phänomen

Es begann am 25. Juni 1947: An diesem Tag meldete die amerikanische Nachrichtenagentur AP die erste „UFO-Sichtung“: Kenneth Arnold, ein erfahrener Such- und Rettungsflieger, habe bei einem Flug über den Mt. Rainier im US-Bundesstaat Washington, so etwas wie „fliegende Untertassen“ gesehen. Man vermutete damals russische Geheimwaffen, die in den amerikanischen Luftraum eingedrungen seien. Bis heute wurden weltweit Zehntausende Sichtungen von seltsamen Flugobjekten dokumentiert. Was steckt hinter dem „UFO-Phänomen“? Ist es wirklich denkbar, dass fremde Zivilisationen uns besuchen? Dass es zu einem „ersten Kontakt“ mit außerirdischen Lebewesen kommen wird?

In der UFOlogie tummeln sich Esoteriker ebenso wie religiöse Fanatiker, seriöse Forscher ebenso wie auflagenorientierte Publizisten. Kein Wunder, ist dieses Thema doch so vielschichtig und unübersichtlich wie kaum ein zweites und bestens geeignet für Spekulationen aller Art. Längst geht es nicht mehr nur um technische Fragen wie die, ob tatsächlich untertassenähnliche Flugobjekte durch unsere Lüfte zischen können oder ob interstellare Reisen durchs All möglich sind. Das UFO-Phänomen beinhaltet gleichermaßen auch weltanschauliche und religiöse Aspekte. Wenn man sich etwa die Schilderungen über „Ausleibigkeitserfahrungen“ im Rahmen von sogenannten „UFO-Entführungen“ näher ansieht oder daran denkt, dass spirituell orientierte Gruppierungen seit Jahrzehnten davon überzeugt sind, bereitstehende Raumschiffe würden uns abholen, sobald es in einem Dritten Weltkrieg „zu heiß“ wird, dann wird deutlich, dass die Gedanken an „Kontakte mit außen“ tatsächlich bereits vieles von einer neuen Religion beinhalten. An die Stelle des unvorstellbaren Schöpfers treten die sehr wohl vorstellbaren Außerirdischen, die uns beobachten, fallweise eingreifen und uns notfalls vielleicht auch beim Überleben helfen.

Während die Diskussionen, die um die Existenz von Außerirdischen bereits geführt werden, die Gräben zwischen Gläubigen und Skeptikern eher noch vertiefen, lässt sich die UFO-Frage mit einem generellen Ja oder einem kategorischen Nein eigentlich nicht beantworten. Denn abgesehen von den naturwissenschaftlich-technischen Aspekten weisen viele Erfahrungen von Menschen, die in irgendeiner Form „Kontakt“ hatten, darauf hin, dass mit „außerirdisch“ nicht immer „außerhalb der Erde“ gemeint ist, sondern dass es dabei zum Teil um psychische Erfahrungen geht, die entsprechend interpretiert werden.

Doch beginnen wir von vorn …

Geheime neue Techniken? 

Als am 25. Juni 1947 die Nachricht über die UFO-Sichtung von Kenneth Arnold um die Welt ging, die er als „furchtbar hellen Lichtblitz“ beschrieb, der das Innere seiner Maschine „fast wie eine Explosion“ erleuchtete, dachte wohl kaum jemand daran, diese Meldung in Frage zu stellen. Und schon gar nicht dachte man in einem solchen Zusammenhang an Außerirdische. Man brachte Arnolds Schilderungen, wohl im Nachklang zu den nervlichen Anspannungen im Zweiten Weltkrieg, sofort mit einer neuen Geheimwaffe in Verbindung – und nahm sie entsprechend ernst: „Die eigenartigen Fluggeräte flogen ziemlich regellos und waren mit 1.200 Meilen pro Stunde doppelt so schnell wie jedes andere Flugzeug“, berichtete der erfahrene Pilot. Seine Beschreibung, dass diese Geräte flogen, „wie wenn man eine Untertasse über das Wasser hüpfen lässt“, führte später zum Ausdruck „fliegende Untertasse“.

Was Kenneth Arnold wirklich sah, blieb ein Rätsel. Seine Beobachtungen aber waren kein Einzelfall. Angeblich wurden in den Monaten Juni und Juli des Jahres 1947 von mehr als 3000 Zeugen über 850 UFOs gesichtet – genügend jedenfalls, um das amerikanische Militär zu beunruhigen. Das „Air Material Command“ der US-Airforce verlautbarte am 23. September des Jahres auf Grund vielfältigster Zeugenaussagen klar und deutlich, das beobachtete Phänomen sei real, „not visionary“, und es sollte künftighin geheim und vorrangig behandelt werden.

Am 22. Januar 1948 nahm in den USA eine „UFO-Projektgruppe“ ihre Arbeit auf. Schließlich war die „Sichtungswelle“ um Kenneth Arnold nicht wirklich die erste, die die Amerikaner beunruhigte. Schon am 25. Februar 1942 hatte es über Los Angeles Alarm gegeben, als geheimnisvolle Lichtpunkte aufgetaucht waren, die – da das Militär, wiewohl keine Bomben fielen, an eine japanische Bedrohung geglaubt hatte – so heftig beschossen worden waren, dass die Granaten drei Zivilisten getötet und mehrere Häuser schwer beschädigt hatten. Währenddessen waren die „fliegenden Lichter“ von 3.16 Uhr bis 4.14 Uhr nachts einfach in der Luft gestanden. Auch im Herbst 1944 hatten Piloten der „US-Airforce“ nach Einsätzen über dem deutschen Reich bereits von „Feuerbällen“ berichtet, die wie aus dem Nichts aufgetaucht waren und die amerikanischen Maschinen verfolgt hatten. Man hatte damals eine neue, gefährliche Waffe der Nazis vermutet: „Floating Mystery Ball Is New Nazi Air Weapon“ war in den US-Zeitungen zu lesen gestanden, während die Deutschen ihrerseits nach ähnlichen Berichten der eigenen Piloten auf eine neue Geheimwaffe der Aliierten getippt hatten. Und neben weiteren Wahrnehmungen im pazifischen Raum, in Korea oder Vietnam, hatte es auch schon im Jahr 1946, ausgehend von Schweden (hier sprach man von „Geisterraketen“), eine massive „Sichtungswelle“ gegeben, bei der mehr als 2.000 Zeugenaussagen dokumentiert worden waren.

Fest steht, dass auf Grund ebenso vieler wie glaubhafter Aussagen sowohl die amerikanischen wie die sowjetischen Militärs mit mehr oder weniger intensiven Untersuchungen des UFO-Phänomens begannen. Schließlich schienen als Erklärung auf Grund des enormen, fast weltumspannenden Sichtungsradius irgendwelche bis damals entwickelte Raketen auszuscheiden – was die Sache nur noch geheimnisvoller machte. 

Was in den folgenden Jahren von den Untersuchern wirklich herausgefunden wurde, bleibt bis heute Spekulation. In deren Öffentlichkeitsarbeit jedenfalls zeigte sich eine klare Tendenz: Man sprach immer weniger von Geheimwaffen oder anderen revolutionären technischen Entwicklungen, sondern tat UFO-Sichtungen statt dessen einfach als Hirngespinste ab. Dies war freilich um so leichter, als sich die Spekulationen und Gerüchte um den Ursprung der Flugobjekte zunehmend hinaus ins ferne All verlagerten, und viele „kontakthungrige“ Menschen in den unbekannten Flugobjekten Raumschiffe von fremden Sternen zu vermuten begannen.

Die Annahme, dass ein Teil der unidentifizierbaren Sichtungen (die Mehrzahl der UFO-Meldungen kann im Nachhinein durch natürliche Ursachen erklärt werden) auf höchst irdische Wurzeln zurückzuführen ist, liegt dennoch nahe. Es ist ja nicht grundsätzlich auszuschließen, dass in diversen Forschungs- und Entwicklungszentren an völlig neuen Antriebs- und Flugsystemen gebastelt wird, die man den Blicken der Öffentlichkeit vorenthält. Man kann dabei an jene Implosions-Experimente denken, die in Zusammenhang mit der Person Viktor Schaubergers kolportiert werden, oder auch an die Versuche zur Schwerkraft-Abschirmung durch supraleitende Scheiben, die der umstrittene russische Materialwissenschaftler Dr. Eugene Podkletnov vor einiger Zeit propagierte.

Immer wieder Zwischenfälle …

Dass streng geheime, militärischen Zwecken unterstellte Testzentren jedenfalls bestehen, darauf hinzuweisen werden die „UFOlogen“ nicht müde. Ein diesbezüglich beinahe magischer Name ist die „Area 51“, ein US-amerikanisches Entwicklungszentrum in Nevada, dessen Mitarbeiter sich zu absoluter Geheimhaltung bezüglich ihrer Tätigkeit verpflichten. Dieses Zentrum geriet im Zusammenhang mit dem sogenannten „Roswell-Zwischenfall“ in besonders zweifelhaften Ruf:

In Roswell, US-Bundesstaat New Mexico, soll am 2. Juni 1947 ein fremdartiges Flugobjekt abgestürzt sein, von dem nicht nur zahlreiche Bruchstücke gefunden, sondern angeblich auch vier Leichen geborgen worden sein sollen. Zumindest wurden manche Einzelheiten dieses Ereignisses von mehreren Zeugen bestätigt. Während dieser Zwischenfall in Roswell jahrelang die seltsamsten Blüten trieb – findige Geschäftemacher haben in diesem Ort nicht nur ein UFO-Museum eingerichtet, sondern verkaufen zum Beispiel auch T-Shirts oder sorgen dafür, dass man in einschlägigen Lokalen mit „Aliens“ gemeinsam am Spieltisch sitzt –, aber kaum ernst genommen wurde, machte er vom 6. November 1989 an auch Skeptiker neugierig. An diesem Tag nämlich behauptete ein Mann namens Bob Lazar via Fernsehen, als ehemaliger Mitarbeiter der „Area 51“ streng geheime Forschungreihen an außerirdischen Raumschiffen gesehen zu haben. Über sie berichtete er: „Diese Objekte bauen ihr eigenes Gravitationsfeld auf. So wie die Erde alle Materie anzieht, generieren sie das gleiche Feld, aber phasenverkehrt, so dass es sich gegenseitig aufhebt. Das ganze sieht aus wie Zauberei. Es ist einfach so weit jenseits unserer Technologie.“ Der Grund für seinen Fernsehauftritt wäre, so Bob Lazar, eine „Flucht nach vorne“ gewesen, nachdem er seitens des FBI eingeschüchtert und mit Todesdrohungen bedacht worden sei. 

Seit dem Anschwellen des UFO-Phänomens gab es immer wieder bemerkenswerte Zwischenfälle, Sichtungen von Menschen, an deren Glaubwürdigkeit kaum zu zweifeln ist. Zu ihnen zählt der ehemalige amerikanische Präsident Jimmy Carter, der gegenüber der Presse einmal erklärte: „Ich lache nicht mehr über Menschen, die glauben, sie hätten ein UFO gesehen, denn ich habe selbst eins gesehen“. Auf Grund dessen erließ Carter 1979 ein „Gesetz zur Freiheit der Information“; Dokumente aus US-Geheimarchiven müssen seither auf Anfrage herausgegeben werden, sofern dies die nationale Sicherheit der USA nicht gefährdet. Bis heute sind so mehrere hundert (allerdings nur bedingt aussagekräftige) Dokumente bzw. Dokumentteile an die Öffentlichkeit gelangt. Das „UFO-Rätsel“ wurde damit aber nicht gelöst. 

Jedenfalls sehen sich UFOlogen nach wie vor in der Situation, dass die untersuchenden Behörden nur zensurierte Informationen weiterleiten, die eher der Gerüchteküche denn der Wahrheitsfindung dienen. Zudem lehnen viele Wissenschaftler es von vornherein ab, sich diesem Themenkreis überhaupt zu nähern, denn „UFO-Gläubige“ gelten eher als nicht ganz ernst zu nehmende Außenseiter, und Bildmaterial, das man früher eventuell hätte als Beweis gelten lassen, verliert angesichts der vielen entlarvten Fälschungen und der heute praktisch unbegrenzten digitalen Bildbearbeitungsmöglichkeiten seine Aussagekraft. Viele Massenmedien benutzen UFO-Bilder zwischenzeitlich schon eher zur Erheiterung ihrer Leser. Ernst genommen werden sie kaum noch. 

Die Frage ist aber, ob eine solche Entwicklung dem Thema gerecht wird. Denn UFO-Sichtungswellen gab es während der vergangenen Jahrzehnte immer wieder. Nicht zuletzt die Vielzahl der ungewöhnlichen Wahrnehmungen trug wesentlich zur Entstehung des UFO-Phänomens bei: Allein bis zum Jahr 1952 soll die US-Airforce zum Beispiel im Rahmen ihres UFO-Untersuchungsprojekts „Blue Book“ 10.000 Sichtungen gesammelt haben. Die wohl aufsehenerregendsten spielten sich an zwei Wochenenden im Juni 1952 im direkten Nahbereich der Sicherheitszone rund um das Weiße Haus ab: Mehrere unidentifizierte Flugobjekte drangen in den radarüberwachten Raum ein, wurden zwei Nächte lang von Abfangjägern und Jagdflugzeugen verfolgt, verschwanden wieder, um dann erneut aufzutauchen. Der beunruhigten Öffentlichkeit erklärten die Militärs vorerst, dass die Sichtungen in keinerlei Verbindung mit irgendeiner neuen technischen Entwicklung der Vereinigten Staaten stehen würden, und später hieß es, es hätte sich lediglich um „Luftspiegelungen“ gehandelt. 

Vom November 1987 bis zum Frühsommer des Jahres 1988 wurde die Küste Floridas von einer „Sichtungswelle“ überspült: Mehr als 100 Menschen hatten UFOs aus nächster Nähe gesehen, und es entstanden 40 durchaus bemerkenswerte Bildaufnahmen. Doch all diese und die vielen anderen bis heute dokumentierten Vorfälle konnten an der Polarisierung zwischen überzeugten Skeptikern und „UFOlogen“, die angesichts der Beschwichtigungsversuche gegen Windmühlen zu kämpfen glauben, nichts ändern: Eine weltweite öffentliche Untersuchung des Phänomens steht aus, und so treibt die menschliche Phantasie schillernde Blüten …

Besucher aus dem All? 

Nicht nur für Science-fiction-Autoren ist es naheliegend, dass die beobachteten unidentifizierten Flugobjekte nichts anderes sind als Raumschiffe fremder Intelligenzen aus dem fernen All. Immer mehr Menschen neigen zur Auffassung, dass der „erste Kontakt“ schon stattgefunden hat und Besucher aus dem All auf Erden längst anwesend sind. Auch ein verbreitetes „Phantombild“ gibt es für die Außerirdischen bereits: Sie werden durchwegs als hagere graue Gestalten mit schrägstehenden, großen schwarzen Sehorgangen geschildert, die an die Facettenaugen der Insekten erinnern. Über ihre Absichten und charakterlichen Eigenschaften allerdings streitet man noch. Sind sie uns gut gesinnt – oder dienen wir ihnen lediglich als Versuchskaninchen?

Das Bild der „hilfreichen Freunde“, die gekommen sind, um die Welt zu retten, das nun schon seit Jahrzehnten von diversen religiösen Gruppierungen strapaziert wird, geht zurück auf den Amerikaner George Adamski. Er, ein „UFOloge“ der ersten Stunde, brachte im Jahr 1953 gemeinsam mit dem britischen Autor Desmond Leslie das Buch „Fliegende Untertassen landen“ heraus – und landete damit selbst einen Bestseller. Adamski beschrieb darin seinen ersten Kontakt mit einem Außerirdischen, der am 20. November 1952 in der Wüste Kaliforniens stattgefunden und den Beginn einer langjährigen Freundschaft markiert haben soll: In der Folge will Adamski mit seinen außerirdischen Freunden zu allen Planeten in unserem Sonnensystem gereist sein und dabei erfahren haben, wie sie allesamt bewohnt sind. Vor allem aber wurde „Professor“ Adamski, wie er bald hieß, zum Botschafter der Außerirdischen: Der Hauptgrund dafür, dass die Aliens uns heimsuchen, sei, so verkündete er, die große Gefahr, in der die Menschheit durch den Missbrauch der atomaren Kräfte schwebe: „Unsere Brüder aus dem All sind gekommen, um uns vor uns selbst zu retten. Wenn es notwendig wird, werden alle diejenigen Menschen, die sich retten lassen wollen, zum Einsteigen in die bereitstehenden Raumschiffe eingeladen werden.“

George Adamskis Anhängerschaft, die in ihm einen „Wegbereiter des kosmischen Denkens“ erblickte, reichte bis in die höchsten Gesellschaftskreise, auch eine Privataudienz bei Papst Johannes XXIII. wird in diesem Zusammenhang gerne zitiert. Adamskis Bestseller-Gedanken wurden von anderen „Propheten“ weitergedacht. Bald hörte man die Botschaft, Jesus selbst habe gekündet, dass die Außerirdischen unerkannt unter uns lebten, um die Menschheit in eine neue Zeit hinüberzuführen – mit Hilfe von Raumschiffen! Solche Ideen haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren, sie tauchen in immer neuem Gewand wieder und wieder auf. Dabei war der schockierende Selbstmord von Mitgliedern der UFO-Sekte „Heaven’s Gate“ im Jahr 1997 wohl nur die berühmte „Spitze des Eisbergs“. 

Diesen „UFO-Propheten“ gegenüber stehen die Skeptiker unter den UFOlogen, die den Aliens keinerlei freundschaftliche Ambitionen zugestehen. Budd Hopkins etwa, ein zeitgenössischer Künstler, der sich seit 1975 auch intensiv mit UFO-Entführungsphänomenen befasst, meinte einmal in einem Beitrag für den „UFO-Kurier“: „Die UFO-Insassen sind in vielerlei Hinsicht eine unbekannte Größe mit der schändlichen Angewohnheit, diejenigen, die sie entführen, systematisch irrezuführen. Und es gibt den unvermeidlichen psychischen, physischen und sogar wirtschaftlichen Schaden, den ihr Entführungsprogramm im Laufe der Jahre unzähligen unschuldigen Männern, Frauen und Kindern angetan hat.“

Solche Einschätzungen verdeutlichen, das es vielen Menschen ernst ist mit der Akzeptanz nicht nur von UFO-Sichtungen, sondern auch von Entführungen durch UFO-Insassen. Dabei stellt sich die Grundfrage: Ist es überhaupt denkbar, dass fremde Intelligenzen aus fernen Galaxien uns besuchen? Der überwiegende Teil der Wissenschaftler verneint heute diese Frage und nennt als Hauptgrund dafür die ungeheuren Entfernungen, die unseren Planeten von (möglichen) anderen trennen. Auch die Ansicht, dass das Leben auf Erden einzigartig sei, wird manchmal noch vertreten – allerdings schon eher selten. Denn seit im All immer mehr erdähnliche Planeten entdeckt werden, gilt die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch anderswo intelligentes Leben entwickeln könnte, als hoch.

Angesichts des Wusts an Science-Fiction-Ideen, die den Film- und Büchermarkt überschwemmen und in denen interstellare Reisen eine Selbstverständlichkeit sind, sollte man sich aber doch auch gelegentlich den Boden der Tatsachen vor Augen zu führen: Schon die Entfernungen innerhalb unseres Sonnensystems sind so immens, dass das Licht von der Sonne bis zum Pluto fast sechs Stunden benötigt. Bis zum nächsten Stern braucht es bereits mehr als vier Jahre – und 100.000 Jahre lang ist das Licht unterwegs, bis es unsere Milchstraße durchquert hat. Selbst mit einer hochentwickelten Technologie würden interstellare Reisen also immense Zeitspannen beanspruchen. 

Persönliche Kontakte: Außerirdisch oder überirdisch?

Am abenteuerlichsten werden Berichte über UFO-Begegnungen, wenn sie von Entführungen handeln – ein Phänomen, das mittlerweile ob seiner weltweiten Verbreitung neben UFOlogen auch Psychologen und Mediziner beschäftigt. 

Im Hinblick auf tatsächliche persönliche „Kontakterlebnisse“ dachte man lange Zeit nur an das berühmt-berüchtigte Radiohörspiel „Krieg der Welten“, mit dem Orson Welles am 31. Oktober 1938 New York in Angst und Schrecken versetzte, weil Hunderttausende glaubten, dem Bericht über eine tatsächliche Invasion von Marsbewohnern zu lauschen und in Panik aus der Stadt flüchteten. 

Doch es blieb nicht beim Hörspiel, und auch nicht bei den Bestseller-Romanen George Adamskis, in denen er seine Reisen mit „außerirdischen Freunden“ zum Besten gab. Immer häufiger berichteten auch ganz normale Menschen von nebenan von „nahen Begegnungen“, die von UFOlogen in vier Kategorien eingeteilt werden: Als „nahe Begegnung der ersten Art“ wird eine UFO-Beobachtung aus höchstens 150 Meter Entfernung beschrieben. Wenn zudem als Folge einer Landung physikalisch messbare Wirkungen – etwa verbranntes Gras oder unnatürliche Strahlung – festzustellen sind, spricht man von der „zweiten Art“. Und wenn die UFO-Insassen sich dem Beobachter auch noch persönlich zeigen, dann ist das eine „nahe Begegnung der dritten Art“.

Darüber hinaus aber gibt es noch die „vierte Art“: Am 19. September 1961 berichtete ein Ehepaar aus Boston erstmals, von UFO-Insassen entführt worden zu sein. Die unglaubliche Schilderung blieb kein Einzelfall. Immer wieder erzählen Menschen, Entführungsopfer geworden zu sein, wobei UFOlogen aus den vielen derartigen Fällen ein Ablaufschema erarbeitet haben: Begegnungen der „vierten Art“ geschehen demnach meist nachts, beginnen mit einer Lähmung des Opfers, worauf unterschiedliche Erlebnisse folgen, die als „medizinische Experimente“ oder auch „sexuelle Kontakte“ geschildert werden und die fallweise sogar fleckenartige Spuren am Körper hinterlassen. Auffällig ist auch, dass diese Kontakte meist höchst individuelle Erfahrungen sind. Bestimmte Menschen erleben derartige Vorfälle schon im Kindesalter und später immer wieder in ihrem Leben. 

Für Forscher, die sich mit solchen „Entführungen“ beschäftigen, steht zweifelsfrei fest: Die Betroffenen denken sich diese Dinge nicht einfach aus, sondern sie hatten durchwegs tatsächlich einschneidende Erlebnisse, die durch Diagnosen wie „frühkindliche Traumen“ oder „Verarbeitung von sexuellem Missbrauch“ kaum befriedigend zu erklären sind. Was also widerfährt diesen Menschen? 

Der UFO-Forscher Wladislaw Raab, Mitglied der Vereinigung „Independent Alien Network“, sammelte Hunderte Fallberichte über „nahe Kontakte“. Aus diesem Fundus entstand ein Buch mit dem Titel „Unheimliche Begegnungen“, das sich in erster Linie mit dem Entführungsphänomen beschäftigt. Eine der bemerkenswertesten Aussage: „Das UFO-Phänomen weist, wenn man sich selbst um Fallrecherchen bemüht, immer wieder neue und unbekannte Facetten auf. Als ich vor einigen Jahren anfing, nach UFO-Zeugen Ausschau zu halten, ahnte ich nicht, mit etwas völlig anderem konfrontiert zu werden, als es in der populären Literatur zum Thema vorgegeben wird. Der starke parapsychologische Aspekt dieser Berichte, der übereinstimmend von den Zeugen wiedergegeben wurde, widersprach allen bisherigen Überlegungen zu diesem Phänomen.“

Konkret dokumentierte Raab zum Beispiel Ausleibigkeitserfahrungen (jemand sieht „von außen“ seinen Körper); fand, dass es deutliche Parallelen zwischen den Entführungsberichten und alten Spukerzählungen gibt, in denen weißgraue Gestalten sichtbar wurden; dass sich die Kommunikation mit den „Außerirdischen“ meist auf der gedanklichen, nicht aber auf der sprachlichen Ebene vollzieht – oder dass die heutigen UFO-Erfahrungen starke Ähnlichkeiten mit subjektiven nächtlichen Ereignissen aufweisen, die im Volksmund zum Beispiel als die Geschichten von der „Trud“ überliefert sind, einer sagenhaften Gestalt, die sich nachts durchs Fenster ins Schlafzimmer schleicht, den Körper unbeweglich und den Menschen wehrlos macht. Auch etwa Parallelen zu Beschreibungen von Naturwesen, Engeln oder anderen überirdischen Gestalten kann man den Berichten entnehmen – seltener geht es darin um typisch Technisch-Materielles.

Diese Beobachtungen lassen sich – wie Wladislaw Raab es in seinem Buch ansatzweise tut – so interpretieren, dass die Menschen schon immer UFO-Kontakte hatten, diese aber – ihrer persönlichen Erfahrungs- und Erlebniswelt entsprechend – anders auslegten und beschrieben. Was früher in irgendeiner Form als überirdische Erscheinung beschrieben wurde, würde demnach heute – dem Zeitgeist entsprechend – in eine außerirdische Welt verlagert. 

Drei Thesen zum UFO-Phänomen

Der Astronom Professor J. Allen Hynek – er gilt als Begründer der wissenschaftlichen UFO-Forschung und fungierte auch als technischer Berater für Steven Spielbergs Kino-Klassiker „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ – sammelte in seinem „Center for UFO-Studies“ nahezu 100.000 Berichte über UFOS aus vielen Ländern der Welt. Weltweit gibt es noch viele weitere große Archive. Es wäre wohl unseriös, alle diese Sichtungen als Klodeckel, Radkappen oder in die Luft geworfene alte Hüte abzutun. 

In Deutschland beschäftigt seit der Astrophysiker Illobrand von Ludwiger seit mehr als 40 Jahren mit dem UFO-Phänomen. Er leitete bis vor kurzem die Gesellschaft MUFON-CES, das ist die europäische Sektion eines weltweiten Projekts, das UFO-Daten sammelt. Nach seiner Ansicht gibt es drei Denkmöglichkeiten, die das Phänomen erklären könnten: Entweder die Erde wird tatsächlich – und vielleicht schon sehr lange – von Außerirdischen besucht. Oder es sind Zeitreisende, die nicht einem fernen Planeten entstammen, sondern unserer eigenen fernen Zukunft. Oder die Phänomene sind „Spiegelungen“ aus Parallel-Universen. 

Abgesehen davon führt das UFO-Phänomen natürlich noch tief hinein in die Psychologie: Widerspiegelt es die spirituelle Sehnsucht der Menschen, dass es mehr geben müsse als das äußere, begrenzte Leben auf dieser Erde? 

Und werden wir es je enträtseln?