Phänomen Gedächtnistransplantation

Nach Transplantationen entwickeln Organempfänger oft Eigenschaften des Organspenders. Wie kommt es zu diesem mysteriösen Phänomen, von dem immer häufiger berichtet wird?

Claire Sylvia erhielt durch eine Organtransplantation ein Herz und eine Lunge. Wie die meisten Organempfänger weiß sie nicht, von wem die Organe stammen. Aber nach der Implantation fühlt sie sich auf seltsame Weise verändert. Manchmal hat sie das Gefühl, dass „noch jemand anders“ in ihr ist, dass ihr bisheriges „Ich-Bewusstsein“ durch eine „zusätzliche Präsenz“ überlagert wird. Einige Zeit nach der Implantation träumt sie von einem Jungen namens Tim, dem sie sich in Liebe verbunden fühlt. Später stellt sich heraus, dass der Organspender tatsächlich Tim hieß und dass dieser Junge bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Als ein Bekannter sie eines Abends mit dem Motorrad mitnimmt und sie mit hoher Geschwindigkeit über das Land fährt, durchströmt sie ein Glücksgefühl …

Claire Sylvia war im Jahr 1998 eine der ersten, die von derartigen Erfahrungen öffentlich berichtete; gemeinsam mit William Novak schrieb sie das autobiographische Buch „Herzensfremd“.

Inzwischen sind viele weitere Fälle dokumentiert, in denen Patienten nach Herztransplantationen auffällige Veränderungen in ihren Gefühlen und in ihrem Verhalten durchlebten, die von den Angehörigen des Organspenders dann als dessen persönliche Eigenheiten wiedererkannt wurden. So entwickelte beispielsweise eine 18jährige Organempfängerin namens Danielle eine ausgeprägte Begeisterung für Musik, lernte Gitarre spielen und begann zu singen. Das Herz, das sie erhalten hatte, stammte von einem 18jährigen Jungen, der Musiker gewesen war und Gedichte geschrieben hatte.

Ein Junge, der das Herz eines ertrunkenen Kleinkindes implantiert bekommen hatte, entwickelte danach plötzlich eine irrationale Furcht vor Wasser.

Ein anderer Junge, Carter, der im Alter von 7 Monaten das Herz des 16 Monate alten Jerry erhalten hatte, zeigte plötzlich Verhaltensweisen, die für das verstorbene Kleinkind typisch gewesen waren. Jerrys Mutter berichtete von ihrer ersten Begegnung mit Carter: „Als er mich umarmte, konnte ich meinen eigenen Sohn fühlen. Ich fühlte seine Energie. Carter sprach dieselben Worte in Baby-Sprache und spielte in genau der Weise mit meiner Nase, wie es Jerry tat.“ Der junge Organempfänger entwickelte auch eine besondere Beziehung zu Jerrys Eltern und nannte sie sogar „Mama“ und „Daddy“.

Wie gesagt: Solche Berichte sind keine kuriosen Einzelfälle. Der amerikanische Kardiologe Dr. Paul Pearsall interviewte mehr als 100 Herzempfänger, die davon überzeugt sind, eine Verbindung zu dem verstorbenen Organspender zu spüren. Und er überprüfte ihre Angaben, indem er Angehörige, Verwandte und Freunde des Spenders über dessen Eigenheiten in wichtigen Lebensbereichen befragte. 

Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten Dr. Pearsalls – er veröffentlichte sie im „Journal of Near-Death-Studies“ und im Buch „Heilung aus dem Herzen“ (1999) – brachten Erstaunliches zutage: Bei mehr als 10 Prozent der Menschen, denen ein Herz implantiert wurde, zeigten sich nach der Operation bis zu fünf auffallende Parallelen zum Leben des Organspenders. Heute wird dieses Phänomen oft als „Gedächtnistransplantation“ („transplanted memories“) bezeichnet; dieser Begriff dürfte auf eine Fernsehdokumentation des „Discovery Channel“ aus dem Jahr 2003 zurückgehen, die sich mit derartigen Erfahrungen beschäftigte.

Und offenbar sind von dem „unheimlichen Phänomen“, wie es manchmal bezeichnet wird, weil dabei unerklärliche, ungreifbare Zusammenhänge zutage treten, nicht nur Herzempfänger betroffen. Bekannt ist zum Beispiel der Fall eines 47-jährigen Arbeiters, der nach der Implantation einer Leber plötzlich eine große Liebe zur klassischen Musik entwickelte, die ihm vor der Operation gar nichts geben konnte. Das Organ, das er erhalten hatte, stammte von einem jungen Geiger …

Möglicherweise sind solche aufsehenerregenden Schilderungen aber nur Extrembeispiele für ein allgemeines Problem bei Transplantationen, das heute völlig tabuisiert wird. Denn psychische Schwierigkeiten nach solchen Eingriffen werden sehr häufig beschrieben.

Anna Bergmann hat sie in ihrem ausgezeichneten Buch „Der entseelte Patient“ (2004) zusammengefasst: „Die Transplantationsmedizin hat einen neuartigen Patiententypus mit ganz eigenen psychischen Konflikten hervorgebracht. Zwischen 50 bis 70 Prozent aller Empfänger von lebenswichtigen Organen (Herz, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Lunge) leiden an Persönlichkeitsveränderungen, Identitätskonflikten, Angst und Depressionen. Ausgehend von den USA, hat sich für diese speziellen Probleme ein neuer psychiatrischer Zweig – die ,Organ Transplantation Psychiatry‘ (OTP) – entwickelt. In den ersten beiden Wochen nach der Operation können bei Organempfängern Wahnzustände, im weiteren Verlauf Depressionen, Psychosen und selbst eine Suizidgefährdung auftreten. Man vermutet eine hohe Dunkelziffer nach einer Organtransplantation, da viele dieser Patienten eine Scheu davor haben, ihre tabubelegten Konflikte offenzulegen!“

Bezieht man die hier zusammengefassten Probleme – dazu zählen Schuldgefühle gegenüber dem Organspender („Überlebensschuld“), irrationale Versöhnungswünsche, Gefühle der Besessenheit („Doppelgängerphantasien“) oder Todesphantasien – mit in die Betrachtungen ein, so kommt man zum Schluss, dass die allermeisten Organempfänger irgendeine Form der Verbindung mit dem Organspender spüren – oder vielmehr erleiden müssen, denn die große Mehrzahl der auftretenden Verhaltensstörungen ist äußerst belastend und stellt die frühere Identität der Patienten in Frage.

Was wird tatsächlich übertragen?

Bleibt die große Frage: Was passiert wirklich? Was wird mit dem Organ des Spenders tatsächlich übertragen?

Weil diese Frage tief in die nicht sichtbaren Bereiche unseres Menschseins hineinreicht, gibt es dazu von der wissenschaftlich-medizinischen Seite keine klare Antwort, allenfalls vage Vermutungen. Jedenfalls aber werfen die geschilderten Phänomene das Grundbild der Transplantationsmedizin um – dass nämlich die Einzelteile des menschlichen Körpers so austauschbar wären wie die kaputten Teile einer Maschine. Es zeigt sich vielmehr – wieder einmal –, dass der Mensch offenbar doch mehr ist als nur die Summe seiner Körperteile.

Manche Forscher nähern sich dem Phänomen der Gedächtnistransplantation auf der psychologischen Ebene. Sie erklären, dass der Mensch seine Identität auch aus der unversehrten Einheit des Körpers bezieht: „Infolge eines zerteilten Körpers entsteht auch ein geteiltes Selbst: Eine unheimliche fremde Macht droht die Persönlichkeit des Patienten zu überrollen. Mit dieser Macht wird gesprochen, verhandelt, gekämpft“, liest man bei Anna Bergmann. 

Manche Menschen erinnert das Einverleiben eines fremden Organs – bewusst oder unbewusst – an einen kannibalischen Akt, und sie verbinden die Ablehnung des „fremden Fleisches“, das mit dem Organ in sie eingedrungen ist, mit den natürlichen Abstoßungsreaktionen des Körpers, die ja tagtäglich durch Medikamente unterdrückt werden müssen. Auf diese Weise kann ein seelischer Dauerkonflikt entstehen. Abgesehen davon ist es „ein Faktum, von dem normalerweise nicht gesprochen wird, dass manche notwendigen Medikamente als Nebenwirkung psychotische Zustände hervorrufen können“. Das schreibt Elisabeth Wellendorf in ihrem Beitrag „Seelische Aspekte der Organtransplantation“ im Buch „Sterben auf Bestellung“ (1997).

Es ist also längst kein Geheimnis mehr, dass so tiefgreifende operative Eingriffe, wie sie Organtransplantationen darstellen, auch für die seelische Ebene des Menschen gravierende Folgen haben. Und ebensowenig kann man die Gegebenheit in Frage stellen, dass für den Organempfänger häufig in irgendeiner Form, mehr oder minder stark ausgeprägt, eine Verbindung zum Organspender erlebbar wird. 

Nur: Wie kommt es zu dieser Verbindung? Die große Frage, was mit dem Organ des Spenders mit übertragen wird, ist weiterhin offen.

Haben die Zellen ein Gedächtnis?

In der Medizin hat man inzwischen festgestellt, dass Prozesse im Inneren des menschlichen Körpers nicht unbedingt an bestimmte Orte oder Organe gebunden sind, wie man das lange Zeit angenommen hat. Manche Wirkungen sind, wie aufsehenerregende Experimente gezeigt haben, sogar über die Körpergrenze hinaus nachweisbar.

So ist zum Beispiel das Herz ein starker Generator elektromagnetischer Energie. Vom Herzen kommt so viel Strom, dass man damit eine kleine Glühbirne zum Leuchten bringen könnte. Auch sein magnetisches Feld ist erstaunlich; mit empfindlichen Magnetometern kann es sogar noch in 30 Metern Entfernung vom Körper registriert werden. Es ist also gut denkbar, dass mit der Energie des Herzens auch Informationen an jedes Organ und jede Stelle des Körpers transportiert werden.

Außerdem konnte vor kurzem nachgewiesen werden, dass es eine Kommunikation zwischen Herz und Hirn gibt, die über die bisher bekannten Nervenverbindungen weit hinausreicht. Bestimmte Neurotransmitter, das sind chemische Substanzen, die für die Funktion des Gehirns notwendig sind, wurden sowohl im Gehirn als auch im Herzen gefunden. Auch Hormone und Gehirnzellen entdeckte man im gesamten Körper.

Es gibt also deutliche Hinweise dafür, dass bestimmte persönliche Eigenarten, die man bisher nur mit der Gehirntätigkeit in Verbindung brachte, tatsächlich auch an andere Körperzellen weitergegeben und dort gespeichert werden. Deshalb hat die Wissenschaft die Theorie eines zellulären Gedächtnisses entworfen. Demnach trägt jedes Körperorgan – und vor allem der „Körpergenerator“ Herz – das in sich, was dem betreffenden Menschen „am Herzen liegt“, was also zu seiner Persönlichkeit gehört. Und bei einer Organverpflanzung würden die „Erinnerungen“ daran auf den Empfänger mit übertragen.

Materialistisch orientierte Wissenschaftler mögen sich mit diesem Erklärungsansatz zum Phänomen der „Gedächtnistransplantation“ vielleicht zufriedengeben. Doch er ist und bleibt spekulativ. Denn im Grunde genommen geht man hier ja davon aus, dass sich die Persönlichkeit des Menschen – unsere seelische Innenwelt, unser Gemüt, unser Bewusstsein, der Geist – allein durch Gehirn- und Körperfunktionen erklären lässt. Dafür gibt es aber keinen wirklich schlüssigen Beweis.

Was also, wenn man den eigentlichen Menschen als geistiges Wesen versteht, das sich seinem physischen Körper nur angeschlossen hat? Wenn unser Bewusstsein nicht im Gehirn entsteht, sondern das Ergebnis nicht-materieller Vorgänge ist? Diese Annahme ist heute keine reine Glaubensfrage mehr und auch keine haltlose Hypothese. Spätestens seitdem Nahtodforscher wie der niederländische Kardiologe Pim van Lommel in ihren Studien zweifelsfrei festgestellt haben, dass menschliches Bewusstsein außerhalb des Körpers bestehen kann, muss über den Begriff der menschlichen Persönlichkeit und des menschlichen Wesenskerns, des Ichs, neu nachgedacht werden.

Eine „spirituelle Besetzung“ aus dem Jenseits?

Gehen wir also davon aus, dass der eigentliche Mensch nicht der physische Körper, sondern ein immaterieller Geist ist, und benennen wir diesen der Einfachheit halber mit dem allgemein bekannten Begriff Seele

Diese Seele verläßt ihre Körperhülle im Zuge der Explantation; der Körper stirbt. Ist es nun denkbar, dass durch die Übertragung eines Organs aus diesem verstorbenen Körper zwischen der hinübergegangenen Seele und dem Organempfänger eine Verbindung entsteht und bestehen bleibt? Manche Autoren bejahen diese Frage. In esoterischen und grenzwissenschaftlichen Kreisen wird zum Beispiel die Theorie einer „spirituellen Besetzung“ propagiert. Dieser Begriff drückt im wesentlichen das aus, was man früher unter „Besessenheit“ verstanden hat: Ein Mensch fühlt sich von einem anderen Bewusstsein in Besitz genommen – und diese Beschreibung fügt sich tatsächlich gut zu vielen jener Schilderungen, die heute als „Gedächtnistransplantation“ bezeichnet werden.

Wenn man von einer nichtstofflichen Seele ausgeht, die den Körper beim Tod verläßt und in einer jenseitigen Sphäre weiterlebt, dann ist natürlich denkbar, dass diese Seele in manchen Fällen eine Verbindung zur irdischen Welt sucht. Im Fall von Claire Sylvia, der einleitend geschildert wurde, schien es so zu sein, dass Tim – der Junge, von dem sie das Herz bekommen hatte –, die Organempfängerin seiner früheren Familie zuführen wollte. „Ich glaube fest daran, daß Tim mich dazu gebracht hat, seine Angehörigen zu suchen, um wieder mit ihnen in Kontakt zu sein, und vielleicht auch, um das, was zu seinen Lebzeiten ungelöst geblieben war, zu lösen und zu vollenden“, schrieb Claire Sylvia.

Ein anderer spektakulärer Fall, der ebenfalls eine Kontaktaufnahme aus dem Jenseits nahelegt, betraf ein zehnjähriges Mädchen, das das Herz einer ermordeten Achtjährigen erhalten hatte. Das Mädchen musste psychiatrisch behandelt werden, weil es seit der Implantation an schwersten Alpträumen litt. In den Sitzungen berichtete das Kind dann so detailgenau und realistisch davon, wie es in seinen Träumen getötet wurde, dass man die Polizei hinzuzog. Und die Informationen zum Tathergang entpuppten sich zum Erstaunen der Beteiligten als Schilderung wahrer Begebenheiten; der Mörder des achtjährigen Mädchens, von dem das Herz stammte, konnte tatsächlich identifiziert und verhaftet werden! –

Auch wenn man in solchen und ähnlichen Fällen von Jenseitskontakten ausgehen kann: Liegt darin wirklich schon die allgemeingültige Erklärung für die Gedächtnistransplantationen? Oder handelt es sich doch nur um Sonderfälle, wie sie auch vorkommen können, ohne dass dabei eine Transplantation mit im Spiel war?

Tatsächlich müssen wir davon ausgehen, dass mit dem Tod eines Menschen, also mit dem Abscheiden seiner Seele, normalerweise der Kontakt zur physischen Welt endet. Wenn die Seele keine besonderen Gegebenheiten an das Irdische binden, wird sie ihren Lebensweg in jenseitigen Welten fortsetzen, und aufgrund der fehlenden Gleichart zwischen dem Physischen und dem Seelischen besteht gar keine Verbindungsmöglichkeit mehr – auch dann nicht, wenn ein Organ des früheren Erdenkörpers nun in einem anderen Körper weiterarbeitet. Wie also kommt es in der sicher überwiegenden Mehrzahl der Fälle, in denen kein bewusster Jenseitskontakt vorliegt, zum Phänomen der Gedächtnistransplantation?

Ein Experiment führt auf die richtige Spur …

Kommen wir zunächst auf das Konzept des zellulären Gedächtnisses zurück. Es erscheint durchaus plausibel, dass alle Organe und Körperteile Informationen der Persönlichkeit des Menschen enthalten, weil sie ja von dieser Persönlichkeit geprägt wurden und sich unter deren Einfluss entwickelt haben. Man muss deshalb ja nicht davon ausgehen, dass die Persönlichkeit im Körper entsteht.

Wenn wir den Gedanken zugrunde legen, dass die Seele in den Körper eintritt (und ihn mit dem Tod wieder verläßt), dann belebt und prägt diese Seele – der Sitz der menschlichen Persönlichkeit – den Körper, während der physische Körper seinerseits die prägenden Signale der Seele empfängt

Aber wie geschieht das? Zu dieser Frage passt ein interessantes Experiment, das auf den Erfinder des Lügendetektors, den US-Amerikaner Cleve Backster, zurückgeht. Er untersuchte weiße Blutkörperchen, die er Versuchspersonen an der Wangenschleimhaut entnommen und in einem Zuchtmedium am Leben erhalten hatte. Backster stellte fest, dass die Leukozyten (also die Blutkörperchen), reagierten, sobald er den Testpersonen, denen sie entnommen worden waren, aufwühlende oder sexuell erregende Bilder zeigte – und zwar auch dann, wenn die Reagenzgläser mit den Zellen kilometerweit von den Versuchspersonen entfernt oder gegen elektromagnetische Strahlung abgeschirmt worden waren. Offenbar gibt es also zwischen den Körperzellen und dem Bewusstseinsträger, dem sie zugehört hatten, eine geheimnisvolle Verbindung, die so lange besteht, wie die Zellen aktiv sind.

Pim van Lommel schrieb dazu in seinem Buch „Endloses Bewusstsein“ (2009): „Dieses Phänomen läßt sich erklären, wenn wir davon ausgehen, daß die DNA der Resonanzort für das personenspezifische, nicht-lokale Bewusstsein ist.“ Der niederländische Kardiologe bezeichnet als „nicht-lokal“ die Tatsache, dass das menschliche Bewusstsein außerhalb der physischen Welt bestehen kann. Er geht davon aus, dass die menschliche DNA, die ja auf der körperlichen Ebene unsere Individualität widerspiegelt und gemeinhin nur als Träger der Erbinformation verstanden wird, in Wahrheit eine noch umfassendere Bedeutung hat. Die DNA in jeder Zelle könnte als Schnittstelle zwischen dem (immateriellen) menschlichen Bewusstsein und dem Körper dienen. Sie könnte also, populärer ausgedrückt, die Aufgabe haben, jede Zelle mit der seelischen Eigenart des Menschen zu verbinden und Informationen aus der eigentlichen Persönlichkeit in jede Körperzelle zu leiten. 

Diese Theorie lässt sich auch gut mit der Biophotonen-Forschung verbinden, wo entdeckt wurde, dass von der DNA ein besonderes Licht ausgeht, ein „biologischer Laser“, der an der Kommunikation in den Zellen wesentlich beteiligt ist. Wenn also die DNA – und über sie jede einzelne Körperzelle – Informationen aus dem nicht-körperlichen Bewusstsein empfängt, dem sie verbunden war oder ist, dann lässt sich damit das Rätsel, weshalb im geschilderten Experiment die weißen Blutkörperchen auch abgeschirmt und in großer räumlicher Entfernung auf ihren „Besitzer“ reagieren konnten, gut lösen: Die Zellen haben zwar keine physische Verbindung mit dem Körper der Versuchsperson, die räumlich oder zeitlich fassbar wäre, aber über eine „nicht-lokale“, also immaterielle Ebene besteht doch eine Verbindung zum Bewusstsein, also zur Versuchsperson selbst.

Es liegt nahe, auch im Zusammenhang mit der Gedächtnistransplantation von einem Einfluss der DNA auszugehen. Demnach erhält jeder Patient, dem ein Organ implantiert wird, mit diesem auch die spezielle DNA des Organspenders, die von einem anderen Bewusstsein geprägt war (oder vielleicht sogar noch ist), die also dessen Eigenheiten oder persönliche Vorlieben widerspiegelt. Das ist der „frem­de Einfluss“, von dem immer wieder berichtet wird und der vom Organempfänger irgendwie in das eigene Leben integriert werden muss. 

Es ist gut vorstellbar, dass dieser Einfluss aufgrund der Eigenart der DNA wirkt, solange das Organ im Körper des Empfängers belebt wird, und dass der Einfluss besonders stark ist, wenn es sich bei der Transplantation um den „Körpergenerator“ Herz handelt und der Organempfänger keine stark ausgeprägte oder eine leicht beeinflussbare eigene Persönlichkeit hat.

Der vermittelnde Einfluß des Astralkörpers

Die Frage, ob über die DNA des implantierten Organs auch längerfristig eine echte Verbindung zum Bewusstsein des verstorbenen Spenders bestehen kann, wird sich der Beantwortung durch die Wissenschaft wohl immer entziehen. Aus ganzheitlicher Sicht kann man dazu allerdings einige weiterführende Überlegungen anstellen.

In seinem weltanschaulichen Grundlagenwerk „Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft“ erklärt Abd-ru-shin (Oskar Ernst Bernhardt, 1875–1941), dass als Bindeglied zwischen der Seele eines Menschen und dem physischen Körper der Astralkörper nötig ist. Dieser geht der Entwicklung des Erdenkörpers voran, und er wird von der Seele bei deren Abscheiden, also beim Tod, vom physischen Körper wieder abgezogen, bis der Astralkörper sich zuletzt, ähnlich dem Erdenkörper, auflöst. Abd-ru-shin weist dabei ausdrücklich darauf hin, dass der Astralkörper nicht vom physischen Körper abhängig ist, sondern von der Seele. Deshalb können beispielsweise sogenannte „Phantomschmerzen“ auch nach der Amputation eines Körpergliedes immer noch auftreten.

Daraus kann man im Hinblick auf die oben vorgestellte „DNA-Theorie“ folgern, dass der Astralkörper jene „nicht-lokale“, vermittelnde Instanz ist, von der die DNA ihre Informationen empfängt. Dies scheint im übrigen auch im Hinblick auf die große Frage schlüssig, wie der menschliche Körper, in dessen Zellen binnen zwei Wochen jeweils alle Moleküle und Atome ausgetauscht werden, trotzdem seine Form und Kontinuität bewahren kann. Er scheint auf ein Vorbild angewiesen – und dieses gibt es in Gestalt des Astralkörpers.

Aus dem Werk „Im Lichte der Wahrheit“ kann man allerdings auch folgern, dass durch den künstlichen Erhalt eines Spenderorgans im Körper des Organempfängers keine Verbindung zum Bewusstsein des Organspenders erzwungen wird. Wenn dieser nach dem Tod auch seinen Astralkörper endgültig hinter sich gelassen hat, besteht daher keine Kontaktmöglichkeit mehr zu einem oder mehreren Organen, die zu seinem Erdenkörper gehört haben.

Naheliegend erscheint jedoch, dass ein Verstorbener, der sehr an seinem physischen Körper oder an physischen Gegebenheiten oder Erlebnissen hängt, dadurch auch das Schwächerwerden und den Zerfall des Astralkörpers verzögert – wodurch er doch auch den seinem Körper explantierten Organen weiterhin Impulse vermittelt.

Jedenfalls drängen alle diese Zusammenhänge dazu, die heutige Praxis der Organtransplantationen gründlich zu überdenken. Das beginnt schon beim umstrittenen Kriterium des „Hirntodes“, über das hoffentlich wieder ernsthafter diskutiert wird, weil inzwischen anhand vieler Fälle dokumentiert ist, dass nach dem Hirntod nicht zwangsläufig ein Herzstillstand und die körperliche Desintegration folgen. Organspender müssten daher als lebende Menschen betrachtet werden. Außerdem müssten über die denkbaren Folgen einer Transplantation sowohl der Organspender (wegen möglicher Schmerzempfindungen während der Entnahme) als auch der Organempfänger (wegen möglicher seelischer Probleme und der lebenslangen Abhängigkeit von schweren Medikamenten) so umfassend wie möglich informiert werden. Die Erlaubnis zu einer Organentnahme dürfte nur eigenverantwortlich vom Betroffenen selbst (nicht von dessen Angehörigen) erteilt werden – und jeder Organempfänger müsste genau darüber Bescheid wissen, wer das Organ unter welchen Umständen gespendet hat. Denn nur so kann man unliebsamen Einflüssen und Gewissenskonflikten von vornherein entgegenwirken.

Das, verbunden mit einem neuen Verständnis des menschlichen Lebens und Sterbens, wären die Rahmenbedingungen, unter denen Transplantationen guten Gewissens stattfinden könnten. 
Heute bewegt sich die Chirurgie indes in einer großen Grauzone. Phänomene wie das der „Gedächtnistransplantation“ mögen ein Anstoß dafür sein, die Vorstellung vom menschlichen Ersatzteillager, aus dem man sich folgenlos bedienen kann, um „Gutes“ zu tun, als Illusion zu erkennen.