„Ew’ge Vernichtung, nimm mich auf!“

Der fliegende Holländer

Romantische Oper in drei Aufzügen

Libretto: Richard Wagner (1813–1883)

Musik: Richard Wagner (1813–1883)

Uraufführung: 2. Januar 1843, Dresden (Königlich Sächsisches Hoftheater)

Dauer: ca. 2,5 Stunden

Aufzüge:
1. Ein Felsenufer an der norwegischen Küste
2. Ein Zimmer im Haus Dalands
3. Eine Seebucht um das Haus Dalands

Hauptpersonen:
Daland, ein norwegischer Seefahrer: Bass
Der Holländer: Bariton
Senta, Dalands Tochter: Sopran
Erik, ein Jäger: Tenor
Mary, Sentas Amme: Alt
Der Steuermann Dalands: Tenor
Der Holländer: Bariton

Eine Werkeinführung

„Der fliegende Holländer“ gehört zu den frühen Werken des deutschen Dichterkomponisten Richard Wagner (1813–1883), der dafür – wie auch für seine späteren Bühnenwerke – sowohl die Musik komponierte, als auch den Text verfasste. Die „romantische Oper in drei Aufzügen“, wie ihre Originalbezeichnung lautete, spielt um 1650 an der Küste Norwegens und gilt als Schlüsselwerk, mit dem Wagner seinen eigenen, unverwechselbaren musikalischen Stil fand.

Als Vorlage für das Libretto diente die Sage um einen Kapitän, dem es nicht gelungen war, mit seinem Schiff das „Kap der Guten Hoffnung“ zu umfahren. Er habe deshalb Gott und die Kräfte der Natur verflucht – und sei damit aber selbst dazu verdammt worden, mit seinem „Geisterschiff“ für immer auf den Weltmeeren unterwegs zu sein. 

Wagner siedelte die Handlung der Oper, zu der ihn wohl auch ein eigenes Erlebnis auf stürmischer See angeregt hatte, in Norwegen an.

Die Uraufführung des Werkes am 2. Januar 1843 im Königlich Sachsischen Hoftheater Dresden war mäßig erfolgreich. Die Oper wurde nach nur vier Vorstellungen vom Spielplan genommen. Letztlich aber hat sie sich bei Publikum doch durchgesetzt. Die 1860 veröffentlichte Neufassung des Werkes, die unter anderem mit einer überarbeiteten Ouverture aufwartet, gehört bis heute zum immer wieder gespielten „Standardprogramm“ der internationalen Opernhäuser sowie der „Bayreuther Festspiele“.

 

Die Handlung

 

Kurz und gut …
Der unstete Seemann findet im Hafen der Ehe doch Erlösung.

 

1. Aufzug: Ein Felsenufer an der norwegischen Küste

Das Schiff des Seefahrers Daland ist in einen heftigen Sturm geraten und in einer geschützten Bucht vor Anker gegangen. Der Kapitän geht an Land, um die Gegend zu erkunden. Er erkennt die Sandwike, eine Bucht unweit seines Heimathafens, und beklagt, Senta, seine geliebte Tochter, wegen dieses Unwetters doch noch nicht in die Arme nehmen zu können. Die Matrosen schwärmen indes von ihren „Mädeln“, die jetzt noch warten müssen.

Plötzlich taucht in der Ferne ein zweites Schiff auf – mit schwarzen Masten und blutroten Segeln –, nähert sich rasch und geht ebenfalls vor Anker. Eine gespensterhaft wirkende Mannschaft wird sichtbar, dann zeigt sich deren Kapitän, eine düstere Gestalt, der Holländer. Er war einst daran gescheitert, mit seinem Schiff das Kap der Guten Hoffnung zu umrunden, hatte aber in gotteslästerlichem Trotz geschworen, es „in Ewigkeit“ weiter zu versuchen. Deshalb wurde er dazu verdammt, nicht sterben zu können, für immer auf See zu sein. Sein einziger Hoffnungsschimmer: Alle sieben Jahre darf er an Land gehen. Fände er dabei eine Frau, die ihm seinem Schicksal zum Trotz ewige Treue schwört, so könnten er und seine Mannschaft Erlösung finden.

Gerade ist diese Sieben-Jahres-Frist wieder einmal um („Die Frist ist um“), aber nach seinen vielen Enttäuschungen hofft der Holländer gar nicht mehr auf die Liebe, die ihn erlösen könnte. Er meint, dass ihm nur noch das „jüngste Gericht“ einst die ersehnte „ew’ge Vernichtung“ bringen könne:

Die Frist ist um
und abermals verstrichen sind sieben Jahr
Voll Überdruss wirft mich das Meer ans Land
Ha! Stolzer Ozean!
In kurzer Frist sollst du mich wieder tragen!
Dein Trotz ist beugsam, doch ewig meine Qual!
Das Heil, das auf dem Land ich suche,
nie werd ich es finden!

Nur eine Hoffnung soll mir bleiben,
nur eine unerschüttert steh’n:
so lang der Erde Keime treiben,
so muss sie doch zugrunde gehen.
Tag des Gerichtes! Jüngster Tag!
Wann brichst du an in meiner Nacht?
Wann dröhnt er, der Vernichtungsschlag,
mit dem die Welt zusammenkracht?
Wann alle Toten aufersteh’n,
dann werde ich in Nichts vergeh’n, in Nichts vergeh’n …
Ihr Welten, endet euren Lauf!
Ew’ge Vernichtung, nimm mich auf!“

Nachdem Daland und der Holländer einander kennengelernt haben, werden sie sich schnell über einen Handel einig. Denn nachdem Daland die immensen Schätze entdeckt hat, die das Schiff des Holländers birgt, freut sich über die Bekanntschaft mit diesem offenbar sehr wohlhabenden Kapitän und stimmt sofort mit Freude zu, als der Holländer um die Hand seiner Tochter wirbt.

Kurz danach beruhigt sich das Wetter, die Anker werden gelöst und Daland bricht zu seinem Heimathafen auf.

2. Aufzug: Ein Zimmer im Haus Dalands

In einer Stube im Haus Dalands erwarten einige Mädchen die Rückkehr ihrer Liebsten von der Seefahrt unter Daland. Unter ihnen sind auch Senta, seine Tochter, und deren Amme Mary. Während die Mädchen singend ihre Arbeit an den Spinnrädern verrichten, ist Sentas Blick in ein Bild versunken, das den sagenhaften „fliegenden Holländer“ zeigt. Sie weiß von seinem Schicksal, das sie sehr berührt:

Traft ihr das Schiff im Meere an,
blutrot die Segel, schwarz der Mast?
Auf hohem Bord der bleiche Mann,
des Schiffes Herr, wacht ohne Rast.
Hui! – Wie saust der Wind! – Johohoe!
Hui! – Wie pleift’s im Tau! – Johohe!
Hui! – Wie ein Pfeil fliegt er hin,
ohne Ziel, ohne Rast, ohne Ruh’!
Doch kann dem bleichen Manne
Erlösung einstens noch werden,
fänd' er ein Weib, das bis in den Tod
getreu ihm auf Erden!
Ach! wann wirst du, bleicher Seemann, sie finden?
Betet zum Himmel, dass bald 
ein Weib Treue ihm halt’! 

Die Mädchen kennen Sentas Schwärmerei für den „bleichen Mann“ nur zu gut – sie halten nicht viel von solchen Träumereien. Und auf Erik, einen jungen Jäger, mit dem Senta befreundet ist, wirken ihre intensiven Gefühle für den sagenhaften Fremden suspekt und bedrohlich. Umso mehr, seit er davon geträumt hat, dass der Holländer an der Seite Dalands tatsächlich an Land gehen, Senta daraufhin „zu des Fremden Füße“ stürzen und ihn dann „mit heißer Lust“ küssen würde.

Entsetzt muss Erik bald erkennen, dass sein Traum „wahr gesprochen“ hat – während sich für Senta, die sich schon lange berufen fühlt, den „armen Mann“ zu erlösen, eine Verheißung erfüllt: Tatsächlich tritt ihr Vater gemeinsam mit dem Holländer ein und bittet sie schon bald, sich „dem Manne freundlich zu erweisen“. 

Senta kann ihr Glück kaum fassen („Versank ich jetzt in wunderbares Träumen? Was ich erblicke, ist’s ein Wahn?“) und ist sofort bereit, alles für die Rettung des Holländers zu tun:

Hier meine Hand! Und ohne Reu’
bis in den Tod gelob’ ich Treu’!
 

Bald darauf wird die feierliche Verbindung der beiden vorbereitet … 

3. Aufzug Eine Seebucht um das Haus Dalands

Dalands Seeleute machen sich bereit zum bevorstehenden Fest („Steuermann! Lass die Wacht!“) und wollen auch die Mannschaft des Holländers einladen, doch aus dessen Schiff tönt ihnen nur ein geisterhafter Chor entgegen.

Erik kann Sentas Absicht, sich diesem furchterregenden fremden Mann anzuvertrauen, nicht verstehen („Mit einem Schlag vernichtest du mein Herz“). Verzweifelt erinnert er sie daran, dass sie einst ihm die „ewige Treue“ gelobt habe.

Eine folgenschwere Behauptung. Senta weist sie zwar vehement zurück („Wie? Ew’ge Treue hätt’ ich dir gelobt?“), aber der Holländer hat das Gespräch der beiden gehört und ist nun sicher, dass Dalands Tochter auch bei ihm nicht Wort halten wird. („Verloren! Ach! verloren!“)

Um sie vor einem leichtfertigen Schritt, der auch ihr die Verdammnis bringen könnte, zu bewahren, offenbart er Senta nun seine Geschichte: 

Erfahre das Geschick, vor dem ich dich bewahr’!
Verdammt bin ich zum grässlichsten der Lose;
zehnfacher Tod wär’ mir erwünschte Lust!
Vom Fluch ein Weib allein mich kann erlösen,
ein Weib, das Treu’ bis in den Tod mir hält.
Wohl hast du Treue mir gelobt, doch vor
dem Ewigen noch nicht; dies rettet dich!
Denn wiss’, Unsel’ge, welches das Geschick,
das jene trifft, die mir die Treue brechen:
ew’ge Verdammnis ist ihr Los!
Zahllose Opfer fielen diesem Spruch durch mich!
du aber sollst gerettet sein!
Leb’ wohl!

Senta beteuert, sehr wohl zur Treue entschlossen zu sein. Sie kenne sein „Geschick“ sehr gut. Sie sei es, durch die er sein Heil finden solle. Doch der Holländer winkt ab: 

Du kennst mich nicht,
du ahnst nicht, wer ich bin!
Befrag' die Meere aller Zonen,
befrag’ den Seemann, der den Ozean durchstrich,
er kennt dies Schiff, das Schrecken aller Frommen:
den fliegenden Holländer nennt man mich. 

Er eilt zu seinem Schiff, „das augenblicklich unter dem Seerufe der Mannschaft abfährt.“

Erik versucht Senta noch festzuhalten, aber sie reißt sich von ihm los, eilt an ein „vorstehendes Felsenriff“ und ruft dem Holländer zu:

Preis’ deinen Engel und sein Gebot!
Hier steh’ ich, treu dir bis zum Tod!

Daraufhin stürzt sie sich in das Meer. 

„In dem selben Augenblicke versinkt das Schiff des Holländers und verschwindet schnell in Trümmern. In weiter Ferne entsteigen dem Wasser der Holländer und Senta, beide in verklärter Gestalt; er hält sie umschlungen.“

 

Hinweis:
Alle Textzitate und die unter Anführungszeichen gesetzten Texte stammen aus Richard Wagners Textdichtung.