„Diesen unberührten Trank kredenz ich meinem Freund“

Arabella

Oper in drei Aufzügen

Libretto: Hugo von Hofmannsthal (1874–1929)

Musik: Richard Strauss (1864–1949)

Uraufführung: 1. Juli 1933, Dresden (Staatsoper)

Dauer: ca. 2,5 Stunden, eine Pause 

Aufzüge:
1. Salon eines Wiener Stadthotels
2. Vorraum zu einem öffentlichen Ballsaal
3. Im Wiener Stadthotel

Hauptpersonen:
Graf Waldner,
Rittmeister a. D: Bass
Adelaide,
Waldners Frau: Mezzosopran
Arabella:
Waldners Tochter: Sopran
Zdenka,
Arabellas Schwester: Sopran
Mandryka:
Bariton, ein slawischer Adeliger
Matteo,
Jägeroffizier: Tenor
Graf Elemer:
Tenor
Graf Dominik:
Bariton
Graf Lamoral:
Bass
Fiakermilli:
Sopran
Kartenlegerin:
Mezzosopran

 

Eine Werkeinführung

„Arabella“ von Richard Strauss gehört zu den bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts. Sie beschließt eine äußerst erfolgreiche künstlerische Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Komponisten und dem österreichischen Dramatiker Hugo von Hofmannsthal (1874–1929), aus der unter anderem auch die Werke „Der Rosenkavalier“ (1911) und „Ariadne auf Naxos“ (1912) hervorgegangen sind.

Im Jahr 1927 hatte Richard Strauss alle literarischen Stoffe, die ihm wichtig erschienen waren, vertont, und er bat seinen Freund Hugo von Hofmannsthal dringend um eine neue Dichtung: „Es darf sogar ein zweiter Rosenkavalier sein.“

Tatsächlich wurde der 1933, gut drei Jahre nach dem Tod Hofmannsthals, uraufgeführten „Arabella“ manchmal vorgeworfen, das Erfolgsrezept des „Rosenkavaliers“ zu wiederholen, doch die Oper konnte sich als großes, eigenständiges Meisterwerk behaupten und steht bis heute auf den Spielplänen aller bedeutenden Opernhäuser.

„Arabella“ spielt im Wien der 1860er Jahre und zeichnet ein operettenhaftes Milieu. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die beiden Töchter einer verarmten Adelsfamilie – Arabella und Zdenka – sowie der reiche slawische Adelige Mandryka. 

Graf Waldner, das Oberhaupt der heruntergekommenen Familie, ist ein leidenschaftlicher, aber glückloser Spieler, dem die Schulden über den Kopf gewachsen sind. In einem noblen Wiener Hotel, in das er mit seiner Frau Adelaide und den beiden Töchtern gezogen ist, versucht er den Schein des Wohlstands aufrecht zu erhalten und wenigstens für Arabella einen reichen Mann zu finden. Da Waldner zu wenig Geld hat, um auch Zdenka standesgemäß einzukleiden, trägt Arabellas Schwester Männerkleider und wird als „Zdenko“, als Junge ausgegeben.

 

Die Handlung

 

Kurz und gut …

Wenn die jüngere Schwester wie selbstverständlich Männerkleidung trägt, kann es eine Frau schwer haben, vom „Richtigen“ geliebt zu werden.

1. Aufzug: Salon eines Wiener Stadthotels

Adelaide, die Frau des Grafen Waldner, lässt sich im Salon eines noblen Wiener Hotels von einer Kartenlegerin die Zukunft vorhersagen. Diese prophezeit ihrem Mann weitere Verluste in seinen stets erfolglosen Glücksspielen, doch würde auch eine Erbschaft „näherrücken“: Für Arabella sei ein reicher Bräutigam in Sicht, ein Offizier, der von weit her komme. Es sei aber wichtig, dass Adelaide ihre jüngere Tochter Zdenka, die als Junge ausgegeben wird, von Arabella fern halte, damit der Bräutigam sich nicht wieder zurückziehe.

Für einen Moment vermutet Adelaide, bei dem Offizier könnte es sich um Matteo handeln, der Arabella zwar verehrt, aber selbst kein Geld hat, und dessen Zuneigung von ihrer Tochter auch nicht erwidert wird. Doch die Karten scheinen auf jemand anderen hinzuweisen, und so hofft die Mutter, dass einer der drei Grafen, die Arabella ebenfalls den Hof machen – Lamoral, Elemer und Dominik – letztlich zum Zug kommen wird.

Arabella aber hat auch für diese drei Herren nichts übrig. Sie ist entschlossen, auf den einen, den „Richtigen“ zu warten: 

Der Richtige, wenn’s einen gibt für mich,
der wird mich anschau’n und ich ihn
und keine Zweifel werden sein und keine Fragen,
und selig werd ich sein und ihm gehorsam wie ein Kind! 
 

Matteo hofft indes noch darauf, Arabella für sich gewinnen zu können. Denn er bekommt regelmäßig Briefe, die ihn an ihre Zuneigung glauben lassen. Der junge Offizier weiß nicht, dass alle diese Schriftstücke gar nicht von Arabella stammen, sondern von deren jüngerer Schwester Zdenka. Und noch weniger ahnt er, dass diese ihn in Wirklichkeit selbst aufrichtig liebt und deshalb alles tut, um ihm Enttäuschungen zu ersparen. Matteo erkennt in Zdenka auch nicht die Frau, sondern sieht nur seinen „einzigen Freund“ – Zdenko –, einen verständnisvollen Ansprechpartner. 

Arabella hat indes auf der Straße kürzlich einen Fremden erblickt, der auf Anhieb ihre Aufmerksamkeit erregt hat und von dem sie hofft, dass auch er ein Auge auf sie geworfen hat. Noch aber weiß sie nicht, dass dieser Mann, Graf Mandryka, tatsächlich ihretwegen hier ist. Denn ihr Vater, Graf Waldner, hatte kürzlich einem alten Regimentskameraden einen Brief geschrieben und ihm ein schönes Bild von Arabella beigelegt … in der Hoffnung, der reiche alte Herr werde um die Hand seiner Tochter anhalten. Doch nicht dieser, sondern sein Neffe, der verwitwete Graf Mandryka, hatte sich in das Bildnis verliebt und war nun Arabellas wegen nach Wien gereist. 

Graf Waldner willigt natürlich mit größter Freude ein, als Mandryka sein Interesse formuliert – und ist umso entzückter von dem reichen Grafen, als dieser ihm ohne langes Zögern Geld zum Spielen überlässt („Teschek, bedien’ Dich“).

Mandryka soll die Frau seiner Wahl am Abend beim anstehenden „Fiakerball“ kennenlernen. Auch Arabella freut sich auf dieses Ereignis. Zwar hat sie kein Interesse an ihren Verehrern  – weder Matteo, noch Lamoral, Elemer oder Dominik kommen für sie Frage –, aber vielleicht wird ja der unbekannte Fremde anwesend sein …

2. Aufzug: Vorraum zu einem öffentlichen Ballsaal

Als Arabella und Mandryka einander abends im Ballsaal erstmals begegnen, verlieben sie sich sofort. Der Graf erzählt ihr von seinem Leben und seiner früh verstorbenen Frau, und dass es in seiner Gegend beispielsweise üblich sei, dass „ein Mädel als Zeichen der Verlobung dem Bräutigam ein Glas Wasser aus dem Brunnen schöpft“.

Arabella ist sich ihrer Sache bald sicher: Sie hat nun endlich „den Richtigen“ gefunden: 

Und du wirst mein Gebieter sein und ich dir untertan
Dein Haus wird mein Haus sein,
In deinem Grab will ich mit dir begraben sein –
So gebe ich mich dir auf Zeit und Ewigkeit.
 

Sie bittet Mandryka, noch für eine Stunde auf dem Ball allein sein zu dürfen, um bewust mit ihrer Mädchenzeit abzuschließen. Der Graf zieht sich zurück, und Arabella verabschiedet sich von ihren früheren Verehrern. Sie macht ihnen allen – Lamoral, Elemer und Dominik – dankbar, freundlich, aber unmissverständlich klar, dass die gemeinsame Zeit nun vorbei sei und sie sich endgültig für einen anderen entschieden habe.

Während Arabella von der Fiackermilli zur Ballkönigin ernannt wird und ihren letzten Tanz als unverheiratetes Mädchen absolviert, versucht Zdenka – wieder einmal – den unglücklichen Matteo zu trösten. Sie überreicht ihm den Schlüssel zu einem Hotelzimmer und stellt ihm in Aussicht, dass Arabella ihn dort erwarten werde.

Leider wird Mandryka Zeuge dieses Gesprächs – und befürchtet nun, dass Arabella sich in dieser Nacht jemand anderem hingeben wolle. Zunehmend kocht die Wut in ihm hoch – eben noch überwältigt von ihrer Zuneigung, fühlt er sich von Arabella nun betrogen und bricht schließlich gemeinsam mit Graf Waldner und Adelaide zum Hotel auf, um Gewissheit zu finden … 

3. Aufzug: Im Wiener Stadthotel

Matteo hat in dem Hotelzimmer, zu dem er von Zdenka den Schlüssel erhielt, eine schöne Zeit verbracht – vermeintlich mit Arabella. In der Dunkelheit hatte er nicht erkannt, dass es in Wirklichkeit Zdenka war, die sich ihm hingegeben hat. 

Nun begegnet er Arabella auf der Treppe des Hotels wieder und ist völlig überrascht von ihrer kühlen Haltung. Hatte ihr das intime Erlebnis denn gar nichts bedeutet? War alles nur Schauspiel? Matteo graut „vor so viel Virtuosität“.

Da erscheint auch schon Mandryka, begleitet von Waldner und seiner Frau, in der Hotelhalle. Sogleich erkennt er Matteo wieder und fühlt sich in seiner Vermutung bestätigt, dass Arabella sich in dem Hotelzimmer mit ihm verabredet hatte. Entschlossen wendet er sich von ihr ab, während Arabella, tief gekränkt, natürlich keinerlei Verständnis für Mandrykas Misstrauen aufbringt.

Dann aber klärt Zdenka alles auf. Sie gibt sich – zur größten Überraschung Matteos – als Frau zu erkennen und bringt ihm vorsichtig bei, dass sie selbst – und nicht ihre Schwester Arabella – die Frau im dunklen Zimmer gewesen war …

Mit diesem Geständnis ist Matteo durchaus zufrieden. Er spürt sofort, dass in Wahrheit Zdenka seine Lebenspartnerin ist: „O du mein Freund! Du meine Freundin! Du mein Alles!“

Graf Mandryka erkennt nun, was da gespielt wurde. Zerknirscht wegen seines eigenen Misstrauens gegenüber Arabella bittet er Graf Waldner nun im Namen Matteos um die Hand seiner Tochter Zdenka.

Arabella zieht sich in ihr Zimmer zurück, um alles noch einmal zu überdenken. Auch die anderen verlassen nach und nach den Flur, Mandryka bleibt schließlich allein zurück – überzeugt davon, Arabellas Liebe durch sein Misstrauen verloren zu haben.

Doch gerade als er sich zum Gehen wendet, erscheint Arabella wieder und kommt, mit einem Glas Wasser in der Hand, die Treppe zu ihm hinunter, um es Mandryka – nach dem Brauch seiner Heimat – zu reichen. 

Das Glas da habe ich austrinken wollen ganz allein
auf das Vergessen von dem Bösen, was gewesen ist
und still zu Bett geh’n, und nicht denken mehr an Sie und mich,
und an das Ganze was da zwischen uns gewesen ist
bis wieder heller Tag gekommen wäre über uns,
vielleicht – vielleicht auch nicht. Das war in Gottes Hand.
Dann aber, wie ich Sie gespürt hab hier im Finstern steh’n
hat eine große Macht mich angerührt von oben bis ans Herz
dass ich mich nicht erfrischen muss an einem Trunk:
nein, mich erfrischt schon das Gefühl von meinem Glück,
dass ich gefunden hab den, der mich angebunden hat an sein Geschick
mich angebunden dass ich mich nicht mehr losmachen kann –
und diesen unberührten Trank kredenz ich meinem Freund,
den Abend, wo die freie Mädchenzeit zu Ende ist für mich.
 

Mandryka leert das Glas mit einem Zug und „schmettert es auf die Steinstufen“:

So wahr aus diesem Glas da keiner trinken wird nach mir,
so bist du mein und ich bin dein für ewige Zeit!

Sie sinkt ihm in die Arme …

 

(Hinweis: Alle Zitate stammen aus dem Libretto)