„Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.“

Steven Spielbergs Meisterwerk „Schindlers Liste“

Oskar Schindler (1908–1974), ein deutsch-mährischer Industrieller, rettete im Zweiten Weltkrieg etwa 1.200 Juden aus Polen und Tschechien vor dem sicheren Tod im Vernichtungslager Auschwitz, indem er sie als „kriegswichtige Arbeiter“ in seiner Fabrik beschäftigte.

Dabei wollte der zuvor erfolglose Geschäftsmann ursprünglich einfach Profit aus dem Krieg schlagen. Er war NSDAP-Mitglied geworden und in der Hoffnung nach Polen gekommen, hier mit Hilfe jüdischer Zwangsarbeiter Güter für die deutsche Besatzungsmacht produzieren zu können. Er hatte Nazis bestochen, sich fragwürdigen Freunden zugesellt und sich schließlich als gefragter Unternehmer etabliert. Dabei hatte Oskar Schindler seinen schnell wachsenden Reichtum ebenso genossen wie die Gesellschaft hübscher Frauen – bis er angesichts der immer offensichtlicher werdenden nationalsozialistischen Gräueltaten innerlich eine Kehrtwende vollzog, von der nur wenige wussten: Er mutierte zum engagierten Untergrundkämpfer, verlor schließlich seinen gesamten Besitz, ging aber als Retter Hunderter Menschenleben in die Geschichte ein. Denn wer auf seiner „Liste“ stand und somit von der nationalsozialistischen Bürokratie als „kriegswichtig“ eingestuft wurde, war vor einer Verhaftung durch die Gestapo geschützt. Und Schindler setzte möglichst viele Namen auf seine Listen – auch die von Kindern sowie von alten und schwachen Menschen. Also ausgerechnet die Namen jener „Unwichtigen“, die zur Vergasung in die nationalsozialistischen Vernichtungslager abtransportiert werden sollten …

Als der Film „Schindlers Liste“ 1993 in die Kinos kam, hatte der US-amerikanische Regisseur Steven Spielberg neben etlichen „Blockbuster“-Produktionen (vom „Weißen Hai“ über „Indiana Jones“ und „E.T.“ bis hin „Jurassic Park“) zwar auch schon sehenswerte Dramen vorgelegt, die auf historischen Begebenheiten beruhen („Die Farbe Lila“ 1985 sowie „Das Reich der Sonne 1987), dennoch wurden Zweifel darüber laut, ob ausgerechnet dieser Regisseur einer ernsthaften filmischen Aufarbeitung des Themas „Holocaust“ gewachsen wäre.

Doch das Ergebnis des „größten Wagnisses“ seiner Karriere, wie Spielberg das Filmprojekt „Schindlers Liste“ einmal selbst bezeichnete, überzeugte in jeder Hinsicht. Großartige Schauspieler (darunter Liam Neeson als Oskar Schindler, Ben Kingsley als sein Buchhalter und Ralph Fiennes als unberechenbarer SS-Lagerkommandant Amon Göth), ein hervorragendes Drehbuch (Steven Zaillian adaptierte die Romanvorlage „Schindlers Arche“ von Thomas Keneally), die phantastische Filmmusik (Spielbergs Lieblings-Komponist John Williams arbeitete mit dem weltberühmten jüdischen Geiger Itzhak Perlman zusammen) und überragende Ausstattungs-, Kamera- und Regiearbeiten führten zu zahlreichen Auszeichnungen (darunter sieben Oscars, fünf weitere Nominierungen) und besten Benotungen in der Kritik. 

Der ehemalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog verlieh Steven Spielberg 1998 das „Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ und formulierte in seiner Rede: „Ihr Film hat gezeigt, dass die persönliche Verantwortung des Einzelnen niemals erlischt – auch nicht in einer Diktatur. Wir müssen keine perfekten Helden sein, aber wir haben die Pflicht zu handeln, selbst wenn es scheint, dass wir mit einem Löffel den Ozean ausschöpfen. ‚Wer nur einem Menschen das Leben rettet, rettet die ganze Welt.‘ Das ist die Botschaft des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts an die kommenden Generationen.“

In „Schindlers Liste“ verzichtete Steven Spielberg auf alles, für das sein Name bis dahin als Synonym stand: überbordende Action, Tricktechnik, Spezialeffekte. Er verzichtete sogar auf Farbe. Nur in einer einzigen Szene, als die Nazis mit brutaler Gewalt das Krakauer Ghetto räumen, irrt ein dreijähriges Mädchen auf der Suche nach einem Versteck durch die grauen Menschenmassen – in ein rotes Mäntelchen gehüllt, noch von Leben durchglüht …

Vielleicht die beeindruckendste Szene in der Filmgeschichte überhaupt.

(1993, 194 Minuten)