Verlagsvorwort zur 6. Auflage

Wenn wir von der Welt sprechen, in der wir leben, oder von der Natur, die uns umgibt, dann meinen wir zumeist die sichtbare, physische Umwelt. Wir genießen deren Schönheit, bewundern ihre Artenvielfalt und sind uns vielleicht auch bewußt des großen Lebensgeheimnisses, das alles in Bewegung hält zu fortwährend neuen Entwicklungen.

Aber welche Kräfte sind es, die in der Natur formbildend wirken, für Belebung und Gestaltung sorgen? Wer sich mit diesen Fragen befaßt und sich nicht einfach mit ein paar Allgemeinfloskeln als Antwort zufrieden geben will, wird vielleicht auch in Betracht ziehen, daß das physisch sichtbare, sinnlich wahrnehmbare Leben in der Natur von nicht-physischen Wirklichkeiten abhängig ist; von formenden – und selbst geformten – Kräften, die das Wachsen, Blühen und Gedeihen gestaltend prägen, von Wesenheiten, die aus dem Nicht-Sichtbaren in das Sichtbare hineinwirken.

Man darf davon ausgehen, daß das Wissen um diese „Naturwesen“, „Naturgeister“ oder wie immer sie in ihrer Gesamtheit genannt werden, früher verbreiteter war als heute. Manches über den vormals engeren Bezug des Menschen zu feinerstofflichen Wirklichkeiten ist uns in Form von Märchen überliefert, vieles davon jedoch sinnentstellt und phantasievoll verfremdet.

Das Anliegen von Margot Ruis ist es, die „Welt der Naturwesen“ wieder allgemeiner ins Bewußtsein zu rücken – nicht als entrückte Märchenwelt, sondern als natürliche Wirklichkeit. Sie hat dabei das Privileg, Baumelfen oder Wasserwesen tatsächlich zu sehen und mit ihnen auch kommunizieren zu können. Ihre Eindrücke und Erfahrungen hat sie im vorliegenden Buch, das längst ein „Klassiker“ in seinem Bereich ist, zu Papier gebracht.

Was sie schildert, sind natürlich sehr persönliche Erlebnisse, beschrieben in einer ebenso persönlichen Begriffswelt. Vielleicht werden streng naturwissenschaftlich ausgerichtete Leser nicht immer alle Eindrücke der Autorin sogleich nachvollziehen können, doch auch sie werden sich der Faszination dieser „Begegnungen mit Freunden des Menschen“ nur schwer entziehen können. Margot Ruis bietet Einblicke in eine zauberhafte, überirdische Seinsebene, von der man ahnt, ja, in der Empfindung sogar weiß, daß es sie gibt und daß nur unsere eigene Lebensferne sie aus dem Wahrnehmungsvermögen verbannte.

Nachdem ich vor vielen Jahren das Vergnügen hatte, das vorliegende Buch (seinerzeit vom österreichischen Anna-Pichler-Verlag, später in der „Edition ergo sum“ herausgegeben) erstmals zu lesen, freute ich mich besonders darauf, die Autorin persönlich kennenzulernen. Ich erlebte sie so, wie sich ihr Buch liest: unbeschwert, einladend, humorvoll, aufrichtig und konsequent, zugleich auch persönlich das ausstrahlend und vermittelnd, was ihr Anliegen ist: das Tor zu einer „Nachbarwelt“ zu öffnen, die niemandem fern und fremd zu sein brauchte. Einige Auszüge aus unserem Gespräch finden Sie im Anhang zu diesem Buch.

Ich freue mich, die Arbeit von Margot Ruis nun bereits in der 6. Auflage publizieren zu können. Die anhaltende Begeisterung für dieses Buch ist ein schöner Beweis für die zeitlose Aktualität des Themas „Naturwesen“. Möge es alle alle Leser – wie mich – zu einem intensiveren, dankbareren Erleben der wundervollen Schöpfung anregen!

Werner Huemer