WWW – die WissensWerteWelt

Jul 7, 2015

Wolfgang Purt (1971–2015)


Erinnerungen an einen (Fast-)Freund und geistigen Weggefährten.

Kategorie: Archiv

 

Nachrichten über den Tod eines vertrauten Mitmenschen wirken meist unmittelbar betäubend. Die Fassungslosigkeit bohrt sich Besitz ergreifend ins Bewusstsein und lagert über dem Denken als dunkle Wolke, die nur langsam wieder verweht.

Manchmal indes scheinen solche Nachrichten gar nicht richtig anzukommen. Das Leben geht zunächst weiter wie gewohnt, erst nach und nach erschließt sich die Tragweite des Verlustes. So unfassbar und unvorstellbar wirken sie.

Als ich am Sonntag vom tragischen Unfall Wolfgang Purts erfuhr, der seiner 13jährigen Tochter den Vater und vielen, vielen Menschen einen Freund und Weggefährten nahm, lernte ich dieses „Manchmal“ kennen. Ich hatte kurz zuvor von den Ereignissen in der Zeitung gelesen. Namen waren darin nicht genannt worden, nur von einem 43jährigen und seiner Tochter war die Rede gewesen. Am späten Nachmittag folgte dann der Anruf, der dieses schreckliche Schicksal aus der Anonymität riss und meinem eigenen Leben verband.

Langsam wird mir bewusst, was dieser Abschied bedeutet: Wolfgang Purt war mir über viele Jahre ein wertvoller Gesprächspartner gewesen, er teilte meine idealistische Weltanschauung und half aktiv mit, Vorträge und Veranstaltungen in meiner Heimatstadt Graz zu organisieren. Vor nicht allzu langer Zeit kam mir in den Sinn, dass es doch schön und eigentlich angebracht wäre, unsere Bekanntschaft zu vertiefen. Öfter einmal gemeinsam zu wandern, zu philosophieren, einander Impulse zu geben, Freunde zu werden. Dieser Wunsch wird sich nicht mehr erfüllen.

Aber Zeiten des Abschieds sollten nicht ins Selbstmitleid führen. 

Ich kannte Wolfgang Purt als intensiven, scharfsinnigen Denker mit ausgeprägtem Gespür für menschliche Schwächen und einem ebenso ausgeprägten Bedürfnis, Schritt für Schritt vom fehlerbehafteten Ist zum idealen Soll voranzukommen.

Ich kannte ihn als tief gottgläubigen Menschen und als Revoluzzer, als liebevollen Vater und vehementen Kämpfer, als augenzwinkernden Charmeur, schlauen Fuchs und bunten Hund. Er stand immer mitten im Leben, mehr dem Abenteuer als der Tradition verbunden, mehr der Natur und der Alm als den Theoriegespinsten virtueller Wirklichkeiten. 

Zweifellos werden ihn seine Begeisterungsfähigkeit und sein gutes Orientierungsvermögen weiter voran treiben, sobald der Abschiedsschmerz überwunden ist.

Wir teilten die Überzeugung, dass jedes irdische Menschenleben nur ein Moment im großen Sein ist. Ich denke, Wolfgang Purt hat diesen allzu kurzen Augenblick recht gut für sich genutzt. Und ich wünsche ihm Kraft und Segen, worin immer sein Geist sich künftighin entfalten mag.