WWW – die WissensWerteWelt

Jun 28, 2014

Ein Beitrag für die Kunst-Universität Graz


Auf der Homepage der Kunst-Universität Graz wurde einer meiner Texte über Hans Beletz veröffentlicht. Der Grazer Maler illustrierte mein Buch „Lebensnähe“.

Kategorie: Archiv

 

Hans Beletz – immer das gleiche Bild

Da steht er inmitten der Menschentraube, schüttelt Hände, lässt seine Blicke über neugierige Augenpaare gleiten, tut ein paar Schritte durch die Menge, erwidert in ungespielter Höflichkeit die vielen kleinen Freundschaftsgesten und beobachtet wachsam, wer weiß mit welchen hintergründigen Gedanken, was sich diesmal alles durch den Eingang drängt.

Wenn Hans Beletz anlässlich einer Vernissage seine Gäste begrüßt, bietet sich im Grunde immer das gleiche Bild, ungebrochen großes Interesse in stets zu kleinen Räumen, auch wenn es bereits die 250. oder 300. Ausstellung sein sollte, mit der 1954 geborene Grazer Maler seit 1983 die Öffentlichkeit sucht.

Hans Beletz sind beeindruckende Brückenschläge gelungen. Längst hat er in bemerkenswerter Sturheit, von Natur aus gepanzert gegen Modetorheiten in der Kunst, den Olymp der Unverkennbarkeit erklommen – und blieb doch am Puls der Zeit, das ungebrochene Interesse an seiner Arbeit zeugt davon. Hans Beletz, das ist die selbstverständliche Verbindung aus kumpelhaftem Schelm, verläßlichem Freund, feinem Beobachter, leidenschaftlichem Verkäufer, großzügigem Papa, treuem Ehemann, einsam reisendem Maler, heimlichem Boxer und kindlich-unverkrampftem Wahrheitssucher, und wieder und wieder fließen die Facetten seines bunten Ichs in neue Arbeiten, um Empfindungen, Gedanken und Befindlichkeiten an die Leinwand zu heften.

Im Lexikon der großen österreichischen Maler des 20. Jahrhunderts hat Hans Beletz Platz gefunden, Kritiker reagieren durchweg ähnlich begeistert auf sein sich stetig weiterentwickelndes Lebenswerk wie Käufer und Sammler. Aber seine Freude über die Wertschätzung der Kenner und Schwärmer vermag den Maler nicht wirklich zu verführen. Was war, kann nicht der Maßstab sein. Es muss Neues geben, das sich von der Tradition des Bekannten und Geschätzten wie von selbst emanzipiert, ohne sie krampfhaft zu verleugnen.

Die unverwechselbare Art, in der Hans Beletz malt, die sichere Kraft seines Strichs, die das Angedeutete, Skizzenhafte ebenso bestimmt wie das Intensive, Plakative, ist in ihrer kreativen Freiheit doch nicht orientierungslos. Sollte unsere Kultur, wie es kritische Geister bisweilen bemerken, tatsächlich belegen, dass uns Menschen die Hölle näher liegt als das Paradies, so gilt das gewiss nicht für die Arbeit dieses Malers. Hans Beletz’ Wertschätzung für die lichteren Charakteristika des Heute, seine Affinität zu Schönheit und Harmonie, zum Unergründlichen und Unvergänglichen, ist offensichtlich.

Gut möglich, dass er damit eine alte Sehnsucht anspricht mit seinen immer neuen Bildern.

Werner Huemer