„Die Stimme ist ein kraftvolles Werkzeug!“

„Resurrection“ (Auferstehung, 2010) – und „Electric Mantra“ (2012) – die beiden CD-Titel der in Finnland geborenen und in Österreich lebenden Sängerin Sanna-Pirita stehen für einen ungewöhnlichen, aber bemerkenswerten künstlerischen Ansatz: die Verbindung von Musikalität und Spiritualität in der menschlichen Stimme. Sanna-Pirita pflegt das „intuitive Singen“, die Bildung harmonischer Schwingungen aus dem Moment heraus, in der einfachen „Sprache der Seele“, wie sie es nennt. Ohne konzeptionelle Vorbereitung sang sie am 13. Oktober 2010 in der Badener Frauenkirche, stundenlang, entspannt, einfach aus der Empfindung heraus – daraus formte sich eine musikalische „Auferstehung“, ihre erste CD.

2012 folgte ein anderes, aber ebenso einzigartiges Musik-Projekt. Gemeinsam mit dem österreichischen Musiker, Komponisten und Produzenten Andy Eicher spielte Sanna-Pirita ihre „Electric Mantras“ ein. Der Begriff „Mantra“ (aus dem Sanskrit) steht für eine oft wiederholte Wortfolge, die üblicherweise eher leise – sprechend, flüsternd oder überhaupt nur in Gedanken – rezitiert wird. Auf Sanna-Piritas zweiter CD indes vereinen sich Mantras zu bestimmten „Bewusstseinsthemen“ (etwa die Öffnung des Herzens, das Atmen oder die Hoffnung auf eine „neue Erde“) mit energiegeladenen Beats; „clubtauglich“, wie sie betont, und gleichzeitig dazu geeignet, „spürbare positive Kraft zu vermitteln“. –

Sie haben mit Ihrer ansprechenden, wandlungsfähigen Stimme zwei Alben aufgenommen, die sehr unterschiedlich anmuten. Gab es einen besonderen Grund für diese Entwicklung vom reinen Intuitiv-Gesang hin zur elektronischen Musik?

SANNA-PIRITA: Die erste CD gehörte für mich zu einem Selbstfindungsprozess. Was ist meine Art des Singens? Es ist intuitiver Gesang, heute immer noch. Meine erste CD habe ich als einen Auftrag aus der geistigen Welt empfunden – Mut zu fassen und etwas aus meiner Gabe zu machen.

Gesungen haben Sie aber auch schon vor 2010 …

SANNA-PIRITA: Ja, schon als Kind war Musik wichtig für mich, aber ich dachte nie, dass beruflich mehr daraus werden könnte. Trotzdem war tief in mir diese Hoffnung.

Und wie kam dann der Durchbruch?

SANNA-PIRITA: Durch eine Stoffwechselerkrankung meines Sohnes ist das Singen sehr präsent geworden. Ich habe damals erkannt, dass man im Leben nicht alles planen kann, dass plötzlich neue, spirituelle Dinge wichtig und stark werden. Die Musik begann durch mich zu fließen, an einem Tag waren plötzlich sechs oder sieben fertige Lieder da, die ich dann aufgenommen habe. Das waren damals englische Popsongs. Ich habe in dieser Richtung einige Jahre lang gesungen, auch Gesangsstunden genommen, um meine eigene Stimme zu finden und zu erfahren. Das intuitive Singen, einfach aus dem Moment heraus, kam erst später, aber das war für mich dann so etwas wie eine Erleuchtung. Da habe ich wirklich gemerkt: das kann ich, das ist mir vertraut, damit lebe ich eine ganz natürliche Gabe, und so hat es sich entwickelt …

… bis es Sie danach drängte, die erste CD aufzunehmen!

SANNA-PIRITA: Ja, das war ein Gefühl wie ein Auftrag: Ich soll diese CD machen! Plötzlich hatte ich Kontakt zu einem Tonstudio, und von dort aus wurde eine kleine Kirche als Aufnahmeort organisiert. Ich bin dann an einem Oktobertag, es war der 13. Oktober 2010, einfach nur in die Kirche gegangen und habe stundenlang ununterbrochen gesungen.

Die ganze CD entstand spontan, ohne Vorbereitung?

SANNA-PIRITA: Ja, alles spontan …

Sie haben also nur gewusst: Ich mache jetzt eine CD – und drauflos gesungen?

SANNA-PIRITA (lacht): Ja, drei Stunden lang. Und danach wusste ich genau, welche Lieder zur CD gehören und wie sie heißen.

Und wie entsteht die „Sprache“ dieser Lieder?

SANNA-PIRITA: Ich weiß es nicht. Es kommt einfach aus dem Moment. Ich nehme einfach die Energie eines Ortes oder der Menschen dort wahr und drücke das dann durch meine Stimme aus. Für mich ist diese „Seelensprache“ eine universelle Sprache, die man nicht mit dem Kopf verstehen muss, sondern die man spüren soll.

Ähnliches passiert ja auch bei Ihren „Seelenliedern“, die Sie anbieten. Man kann sich bei Ihnen ein individuelles Lied bestellen.

SANNA-PIRITA: Ja, das Erspüren dieser Energien ist meine Gabe. Manchmal haben Menschen auch bestimmte Wünsche, zum Beispiel eine Stärkung dafür, den eigenen Weg, die eigene Lebensaufgabe zu finden. Dazu dienen die Lieder dann.

Auf Ihrer Homepage erfährt man, dass Sie auch Coaching anbieten, um das Finden der Aufgabe oder Änderungsprozesse zu unterstützen. Regen Sie dabei auch zur Arbeit mit der eigenen Stimme an?

SANNA-PIRITA: Ja, die Stimme steht bei meinen Workshops ein im Zentrum. Es geht in der energetischen Arbeit darum, die eigene Stimme zu erfahren. Wer bin ich überhaupt? Wie klinge ich? Es ist für mich wichtig, die Menschen zu ermutigen, sich selbst Impulse zur Neuorientierung und Heilung zu vermitteln. Und dafür ist die Stimme ein kraftvolles Werkzeug.

Wie kam es zu dem Projekt „Electric Mantra“?

SANNA-PIRITA: Elektronische Musik hat mir immer sehr gefallen, und ich habe schon früher geahnt, dass es einen Menschen gibt, mit dem ich diese Musik machen werde, jemanden, der die nötigen Instrumente spielen, komponieren und arrangieren kann. Und dann habe ich Andy Eicher getroffen, das war eine sehr starke Begegnung. Wir haben beide sofort gespürt, dass wir eine gemeinsame Aufgabe haben – und irgendwann hat er mich angeschaut und gesagt: „Elektronische Mantren!“ Das Projekt war also schon bei unserer ersten Begegnung da! Und es ist mein Wunsch, Mantra-Musik in dieser Art einem großen Publikum vorzustellen und musikalisch auch etwas wirklich Neues zu machen.

Das ist gelungen! Wie geht es weiter?

SANNA-PIRITA: Wir werden Konzerte geben, ich möchte gern auch international mehr machen, aber auch weiterhin Workshops anbieten. Es ist schön, mit Menschen so intim arbeiten zu dürfen, zu sehen, wie viel ihnen das gibt, die eigene Stimme zu erfahren. Ich möchte all das, was ich selbst gelernt habe, weitergeben. Meine generelle Botschaft ist: dem Herzen folgen, dem Herzen vertrauen – und die eigene Essenz spüren.