„Ihr seid Kinder! Was für Kinder! Was für Kinder!“


Pelléas et Mélisande

Dramatische Oper in fünf Akten

Libretto: Maurice Maeterlinck (1862–1949)

Musik: Claude Debussy (1862–1918)

Uraufführung: 30. April 1902, Paris (Opéra-Comique)

Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

Akte:
1. Im Wald; Ein Gemach im Schloss; Vor dem Schloss
2. Ein Brunnen im Park; Ein Zimmer im Schloss; Vor einer Grotte am Meer
3. Ein Turm des Schlosses; Die Gewölbe des Schlosses; Eine Terrasse am Ausgang der Gewölbe; Vor dem Schloss
4. Ein Zimmer im Schloss; Ein Brunnen im Park
5. Ein Zimmer im Schloss

Hauptpersonen:
Arkel, König von Allemonde: Bass
Pelléas, Arkels Enkel: Tenor
Golaud, Halbbruder von Pelléas: Bariton
Geneviève, Mutter von Golaud und Pelléas: Alt
Yniold, Golauds Sohn aus erster Ehe: Knabenstimme
Mélisande: Sopran
Ein Schäfer: Bass
Ein Arzt: Bass


Eine Werkeinführung

„Pelléas et Mélisande“ ist die einzige vollendete Oper des französischen Komponisten Claude Debussy (1862–1918). Das Werk ist Akt für Akt durchkomponiert; auf größere Sologesänge verzichtete der Komponist bewusst: „Die Gestalter dieses Dramas wollen natürlich singen – und nicht in einer willkürlichen Ausdrucksweise, die aus überlebten Traditionen stammt. Ich wollte, dass die Handlung nie stillsteht, sondern ununterbrochen weitergeht“, erklärte er dazu.

Die Textdichtung zu „Pelléas et Mélisande“ fußt auf dem gleichnamigen Schauspiel des belgischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Maurice Maeterlinck (1862–1949). Uraufgeführt wurde die Oper am 30. April 1902 in Paris in der Opéra-Comique.

Debussys fünfaktiges Werk führt in das fiktive, düstere Königreich Allemonde, wo sich zwischen Pelléas, dem Enkel des Königs, und der geheimnisvollen, scheuen Mélisande, der Frau seines Halbbruders, eine von symbolischen Ereignissen begleitete, märchenhafte Romanze entwickelt, die wie ein Spiel zwischen zwei Kindern beginnt und in einer Eifersuchtstragödie endet.

 

Die Handlung

 

Kurz und gut …
Langhaarigen Mädchen, die gern glitzernde Dinge am Grund von Brunnen oder Quellen beobachten, sollten romantisch begabte Männer nicht ohne griffbereites Schwert ihre Liebe gestehen.

 

1. Akt: Im Wald

Golaud, Halbbruder von Pelléas und Enkel von König Arkel, hat sich im Wald verirrt. Auf der Jagd war er der Spur eines Ebers gefolgt, doch hatte er sie verloren. Nun trifft er an einer Quelle ein überaus liebreizendes, aber scheues junges Mädchen – Mélisande. Sie schluchzt und droht, sich ins Wasser zu stürzen, sollte er es wagen, sie zu berühren.

Golaud ist von ihrer Schönheit beeindruckt, fragt, welches Leid ihr denn widerfahren sei. Sie aber deutet nur an, „weit, weit von hier geboren“ und geflohen zu sein. Sie habe sich ebenfalls verirrt.

Als Golaud im Wasser eine goldene Krone schimmern sieht, die das Mädchen offenbar verloren hat und anbietet, das teure Stück wieder heraufzuholen, lehnt Mélisande ab. Es soll bleiben, wo es ist. Sie wolle die Krone nicht mehr …

Schließlich suchen die beiden gemeinsam einen Weg aus dem Wald – ohne dass Golaud mehr von der Geschichte Mélisandes erfährt.

Ein Gemach im Schloss

Geneviève, Golauds Mutter, liest König Arkel einen Brief seines Enkels vor, den dieser an seinen jungen Halbbruder Pelléas geschrieben hat. In dem Schreiben teilt Golaud seine Vermählung mit Mélisande mit und bittet Pelléas, ein gutes Wort für ihn beim Großvater einzulegen. Denn König Arkel hatte eigentlich andere Pläne für Golaud gehabt. Er hatte ihn ausgesandt, damit er um die Hand von Prinzessin Ursula anhalte. Golaud hoffe dennoch auf Arkels Güte und dass der König bei seiner Rückkehr ins Schloss auch Mélisande wie eine Tochter empfangen werde. Er bitte seinen Halbbruder, eine Lampe an der Spitze des Turmes zu entzünden, wenn es „grünes Licht“ von Seiten Arkels gebe. Wenn nicht, wolle er das Schloss erst gar gar nicht betreten.

Ich weiss, dass meine Mutter mir gerne verzeihen wird.
Aber ich fürchte Arkel, trotz seiner Güte.
Wenn er dennoch einwilligt,
sie zu empfangen wie seine eigene Tochter,
dann zünde am dritten Abend nach Erhalt dieses Briefes
eine Lampe auf der Spitze des Turmes an,
von dem man das Meer sieht.
Ich werde es von der Brücke unseres Schiffes sehen;
wenn nicht, reise ich in die Ferne
und komme niemals wieder.

König Arkel stellt sich dem Eheglück Golauds nicht entgegen. Also beauftragt Geneviève ihren Sohn, zum Zeichen des königlichen Einverständnisses sogleich die Lampe zu entzünden.

Pelléas tut es – doch ihn plagen noch andere Sorgen: Sein Freund Marcellus liegt im Sterben. Eigentlich wäre er gern sofort aufgebrochen, um ihn noch einmal zu besuchen, doch er folgt dem Wunsch Arkels, im Schluss zu bleiben. Man wisse nicht, meinte der König, was Golauds Rückkehr bringen werde – und schließlich sei auch Pelléas eigener Vater – er wohnt im Schloss – schwer erkrankt.

Vor dem Schloss

Mélisande und Golaud sind mit ihrem Schiff gelandet und in der Burg eingetroffen. Das junge Frau spaziert nun mit Geneviève durch den Park, es ist neblig, ein Sturm naht; sie fürchtet die Düsternis der Umgebung. In der Ferne verlässt ein Schiff den Hafen – Mélisande erkennt an den Segeln, dass dieses Schiff sie und Golaud hergebracht hatte.

Als Pelléas erscheint und die Frau seines Halbbruders begrüßt, lässt Geneviève Mélisande mit ihrem Sohn allein, um sich um den kleinen Yniold, ihren Enkelsohn – Golauds Kind aus erster Ehe – zu kümmern. Und als Pelléas dem Mädchen anbietet, es am Arm zu fassen, da „der Weg steil und es dunkel ist“, lässt Mélisande, die Kontaktscheue, diesen Kontakt zu. Sie bedauert, dass Pelléas schon am kommenden Tag abreisen will …

2. Akt: Ein Brunnen im Park

An einem besonders heißen Tag führt Pelléas Mélisande zu einem Brunnen im Park. Er erzählt ihr, dass dieser alte Brunnen einst als Wunderbrunnen bekannt geworden sei. Er „öffnete die Augen der Blinden“. Doch „seit der König selbst fast blind ist, kommt niemand mehr hierher.“

Mélisande sieht fasziniert zum Wasser hinab. Ob es möglich sei, bis zum Grund hinab zu schauen? 

Wenn etwas auf dem Grund glänzte,
würde man es vielleicht sehen …

Zum Schrecken von Pelléas beugt sich Mélisande weit über den Brunnenrand, ihr langes Haar reicht bis ans Wasser. Als sie dann noch übermütig mit ihrem Trauring spielt und ihn „hinauf bis zur Sonne“ wirft, passiert es … genau, als die Kirchenuhr zwölfmal zur Mittagsstunde schlägt: Das Schmuckstück fällt ins Wasser und sinkt unerreichbar auf den Grund des Brunnens.

Pelléas tröstet Mélisande: „Wir brauchen uns wegen eines Ringes nicht beunruhigen …“

Aber was solle sie Golaud sagen, wenn er sie danach frage? – „Die Wahrheit … die Wahrheit.“

Ein Zimmer im Schloss

Es ist Abend geworden, Mélisande pflegt Golaud in seinem Bett. Er hat sich bei der Jagd verletzt, als sein Pferd plötzlich aufbäumte, „ganz ohne Grund“, wie er berichtet, gerade als die Glocke zur Mittagsstunde geschlagen habe:

Beim zwölften Schlag erschrickt es mit einem Mal
und läuft wie ein blinder Narr gegen einen Baum.
Ich weiss nicht, was danach geschah.
Ich fiel, und das Pferd muss auf mich gefallen sein.
Ich glaubte, ich hätte den ganzen Wald auf meiner Brust liegen;
ich glaubte, mein Herz sei zerbrochen …

Mélisande rät ihm zu schlafen, beginnt dann aber selbst zu weinen – und gesteht Golaud schließlich, dass sie sich hier in dem Schloss nicht wohl fühle. „Es ist etwas, das stärker ist als ich“, deutet sie vage an. Sie könne hier nicht länger leben.

Golaud vermutet, dass sein Halbbruder Pelléas der Grund sein könnte – dieser sei ja immer etwas seltsam gewesen. Doch er werde sich gewiss zum Guten ändern …

Als er dann die Hände seiner Frau fasst, um sie zu trösten, bemerkt er entsetzt, dass Mélisande den Hochzeitsring nicht trägt und stellt sie zur Rede. Doch sie wagt nicht zu erzählen, was passiert ist und gibt vor, dass er ihr vermutlich in einer Grotte vom Finger geglitten sei, als sie am Morgen am Meer „Muscheln für den kleinen Yniold gesammelt“ habe.

Golaud besteht darauf, dass Mélisande sich sofort auf die Suche nach dem wertvollen Schmuckstück macht – ja, auch wenn es jetzt schon dunkel sei, die Flut könne den Ring sonst auf immer fortspülen:

Du weisst nicht, was er ist. Du weisst nicht, woher er stammt.
Das Meer wird sehr hoch stehen heute Nacht.
Das Meer wird ihn vor dir wegnehmen …
Beeile dich …

Da Mélisande es nicht wagt, allein durch die Dunkelheit zu gehen, rät ihr Golaud, Pelléas um Begleitung zu bitten: „Er wird alles tun, was du von ihm verlangst.“

Weinend macht sich Mélisande auf den Weg.

Vor einer Grotte am Meer

Pelléas begleitet Mélisande zu der Grotte am Meer. Sie solle sich darin umsehen, um Golaud den Ort beschreiben zu können, falls dies nötig sei.

Als die beiden in der Dunkelheit drei schlafende Greise entdecken, erschrickt Mélisande heftig. Pelléas erzählt ihr von der großen Hungersnot, die im Land herrsche. Haben die Alten hier deshalb einen Unterschlupf gesucht?

Mélisande will den dunklen Ort jedenfalls so schnell wie möglich verlassen.

3. Ein Turm des Schlosses

In einer sternenklaren Nacht bürstet Mélisande ihr prächtiges langes Haar am offenen Fenster des Schlossturms. Pelléas sieht ihr fasziniert zu. Er ist gekommen, um ihr zu sagen, dass er am nächsten Morgen abreisen werde. Neckisch verspricht er ihr aber, es doch nicht zu tun, wenn er nur ihre Hand berühren dürfe. Mélisande will diesem Wunsch nachgeben und lehnt sich weit aus dem Fenster – woraufhin ihr langes Haar hinabfällt und Pelléas überflutet. Der ist hin und weg …

Ich habe noch nie Haare wie deine gesehen, Mélisande!
Sieh, sieh, sieh; sie kommen von so hoch oben herab
und überfluten mich bis ans Herz;
sie überfluten mich noch bis zu den Knien!
Und sie sind süß, sie sind süß,
als seien sie vom Himmel herabgefallen!
Ich kann durch deine Haare den Himmel nicht mehr sehen.
Siehst du, siehst du?
Meine beiden Hände können sie nicht fassen;
etwas davon liegt selbst auf den Zweigen der Weide
Sie leben wie Vögel in meinen Händen,
sie lieben mich, sie lieben mich mehr als du!

Doch die romantischen Wallungen finden ein jähes Ende: Golaud kommt des Weges, sieht die beiden – und gibt sich verärgert über diese „Kindereien“: „Ihr seid Kinder! Was für Kinder! Was für Kinder!“

Die Gewölbe des Schlosses

Golaud führt seinen jungen Halbbruder in die finsteren unterirdischen Gewölbe des Schlosses, hinab zu einer tiefen Zisterne und leitet ihn dort an, sich über den Rand eines Felsens zu neigen, um „den Todesgeruch“ zu spüren, der hier heraufsteigt. Eine Mutprobe? Eine Warnung?

Pelléas verschlägt es jedenfalls den Atem, ihm ist mulmig zumute. Wortlos verlassen die beiden das Gewölbe wieder.

Eine Terrasse am Ausgang der Gewölbe

Als Pelléas „endlich aufatmen“ kann, ermahnt Golaud seinen Halbbruder eindringlich, sich künftig von Mélisande fern zu halten. Sie werde nämlich bald Mutter sein, die kleinste Erregung könne ein Unglück herbeiführen:

Ich habe nicht zum ersten Mal bemerkt,
dass zwischen euch etwas sein könnte …
Ihr seid älter als sie; es genügt, wenn man es Euch sagt …
Meidet sie so viel wie möglich,
aber ohne die Absicht zu zeigen, ohne Absicht …

Vor dem Schloss

Golaud wird zunehmend von Eifersucht geplagt. Er weiß, dass Yniold, sein Sohn aus erster Ehe, viel Zeit mit Mélisande und Pelléas verbringt, sobald er selbst unterwegs ist, und er will herausfinden, ob in dieser Zeit etwas Zweifelhaftes passiert. 

Vorsichtig fragt er seinen Sohn deshalb, was sich denn während seiner Abwesenheit zwischen den beiden so abspiele. Die Auskünfte des Kleinen bringen Golaud zwar keinen Beweis für die Untreue seiner Frau, doch er bleibt misstrauisch. 

Als dann in Mélisandes Gemach ein Licht aufleuchtet, eilt Golaud mit seinen Sohn sogleich hin, hebt ihn hoch, damit er durch das Fenster sehen kann, und will – zunehmend ungestüm – wissen, was denn in dem Raum gerade passiert. Doch der Junge kann nur berichten, dass Pelléas und Mélisande sich schweigend gegenüber sitzen und das Licht betrachten.

Dann bittet er seinen Vater, dessen Verhalten ihm zunehmend seltsam erscheint, ängstlich, ihn endlich wieder hinunter zu lassen …

4. Akt: Ein Zimmer im Schloss

Pelléas teilt Mélisande mit, dass er sich nach einem Gespräch mit seinem Vater dazu entschlossen habe, am kommenden Tag abzureisen. Sein Vater habe sich von seiner schweren Krankheit wieder erholt, bei seinem Besuch habe er ihn als seinen Sohn wieder erkannt, dann aber seine Hand genommen und ihn dringend vor einem drohenden Schicksal gewarnt: Pelléas habe den „ernsten und freundlichen Gesichtsausdruck der Menschen, die nicht mehr lange leben werden.“ Er müsse das Schloss unbedingt verlassen. Diesem Rat wolle erfolgen, doch er habe den Wunsch, Mélisande am Abend noch einmal am Brunnen zu treffen – dann werde sie ihn allerdings nicht mehr wiedersehen.

Mélisande ist bestürzt über Pelléas Pläne, sie allein zu lassen – und verspricht, zum Brunnen zu kommen.

Als er Arkels Schritte hört, verlässt Pelléas das Zimmer. Der König ist erfreut darüber, dass sich sein Sohn, Pelléas Vater, von seiner Krankheit erholt hat und hofft, dass nun „etwas Freude und ein wenig Sonne in das Haus zurückkehren“ werden. Er bewundert Mélisandes Schönheit („Man hat die Schönheit so nötig am Rand des Todes“), doch der Wunsch des Königs nach Harmonie und Freude zerschlägt sich unmittelbar: Golaud betritt mit Blut an der Stirn das Zimmer, um sein Schwert zu holen. Er sei „durch einen Dornbusch gelaufen“. Mélisande will ihm helfen, doch er lehnt es ab, dass sie ihn berührt. Golaud berichtet zunächst, dass man am Meer wieder einen verhungerten Bauern gefunden habe, lässt aber bald jedem nagenden Gefühl freien Lauf, das ihn wirklich plagt: der Eifersucht auf seinen jüngeren Halbbruder – und der unbändigen Wut darüber, Pelléas und Mélisande, an deren Unschuld er nicht mehr glaubt, nichts beweisen zu können. Zum Entsetzen Arkels packt er schließlich seine Frau an den Haaren, um sie wie ein Tier hinter sich her zu ziehen:

Ihr sollt mir auf den Knien folgen!
Auf die Knie vor mir! Ah! Ah!
Endlich dienen Eure langen Haare zu etwas …
Nach rechts, und dann nach links!
Nach links, und dann nach rechts!

Als König Arkel endlich dazwischen geht, lässt Golaud von Mélisande ab und zwingt sich zur Ruhe: Er wolle seinem Verdacht keine Wichtigkeit beimessen, er sei zu alt für so etwas, er wolle auch kein Spion sein – aber der Zufall werde ihm eines Tages den Beweis für die Untreue seiner Frau liefern – und dann werde er sie strafen, nicht aus Wut, sondern „einfach, weil es so üblich ist“.

„Was hat er nur?“, fragt Arkel besorgt, nachdem sein Enkel das Zimmer verlassen hat. „Ist er betrunken?“

„Nein, nein“, antwortet Mélisande, mit Tränen in den Augen. „Er liebt mich nicht mehr.“

Ein Brunnen im Park

Der kleine Yniold spielt im Park und beobachtet eine Herde verängstigter, weinerlich blökender Schafe, die schließlich verstummen, als der Schäfer sie fort führt – nicht in den Stall wie sonst immer, sondern diesmal zum Schlachthof.

Pelléas wartet am Brunnen auf Mélisande. Er möchte sein letztes Treffen mit ihr besonders bewusst erleben und ist entschlossen, die „Spielereien“ mit ihr zu beenden. Bevor er seine Reise antritt, will er ihr all das offenbaren, was bisher ungesagt geblieben ist.

Mélisande kommt verspätet, sie hatte darauf geachtet, dass niemand sie sieht. Und endlich gestehen die beiden einander ihre Liebe. Den Worten folgt eine Umarmung, ein erster leidenschaftlicher Kuss – doch dann hält Mélisande inne. Sie erkennt, dass Golaud ihr gefolgt ist und sie beobachtet.

Pelléas rät zur Flucht, er werde sich seinem Bruder entgegenstellen. Doch Mélisande will nicht davonlaufen. Und als der wütende Golaud auf die beiden zustürzt, versinken Pelléas und Melisande in einen Rausch des Küssens: „Oh! Alle Sterne stürzen nieder!“ – „Auf mich auch, auf mich auch!“ – „Noch einmal! Noch einmal! Gib! Gib!“ – „Alles! Alles! Alles!“

Golaud streckt Pelléas mit seinem Schwert nieder, Mélisande flieht atemlos durch das Gehölz.

5. Akt: Ein Zimmer im Schloss

Mélisande ist von Golaud zwar nur leicht verletzt worden, aber sie hat eine Tochter geboren und liegt nun mit hohem Fieber im Sterbebett. König Arkel ist klar, dass sie nicht mehr lange zu leben hat.

Golaud bereut indes seine Eifersucht – aber immer noch, selbst im Moment des nahenden Abschiedes, plagt ihn die Frage, ob Mélisande und Pelléas „schuldig geworden“ seien. Wenigstens jetzt, im Angesicht des Todes, solle Mélisande ihm die Wahrheit sagen. Ja, haucht sie zur Antwort, sie habe Pelléas geliebt, aber: „Nein, wir sind nicht schuldig geworden“.

Golaud befriedigt diese Auskunft nicht. Er dringt weiter in Mélisande, doch sie weiß nichts mehr zu sagen …

Nachdem Mélisande ihr neu geborenes Töchterchen gesehen hat – zu schwach bereits, um es noch in die Arme zu nehmen –, schließt sie die Augen. Der anwesende Arzt mahnt zur Stille:

Wir müssen jetzt leise sprechen.
Wir dürfen sie nicht mehr beunruhigen …
Die menschliche Seele ist sehr schweigsam …
Die menschliche Seele geht lieber alleine …

Schuldbewusst beweint Golaud Mélisandes Tod. König Arkel befiehlt, das Kind aus dem Zimmer zu entfernen. Nun gehe es nur noch darum, sich um das Mädchen zu kümmern:

Es muss jetzt leben an ihrer Statt.
Jetzt ist die arme Kleine an der Reihe.