„Bei dem Hass, der mich verzehrt, bei dem Tode schwör’ ich Rache!“

Otello

Oper in vier Akten 

Libretto: Arrigo Boito (1842–1918)

Musik: Giuseppe Verdi (1813–1901)

Uraufführung: 5. Februar 1887, Mailand (Teatro alla Scala)

Dauer: ca. 2,5 Stunden, eine Pause

Aufzüge:
1. Der Platz vor einem Schloss
2. Ein ebenerdiger Saal im Schloss
3. Der Hauptsaal im Schloss
4. Desdemonas Schlafgemac

Hauptpersonen:
Otello, Befehlshaber der venezianischen Flotte: Tenor
Jago, Fähnrich: Bariton
Cassio, Hauptmann: Tenor
Rodrigo, ein edler Venezianer: Tenor
Lodovico, Gesandter der Republik Venedig: Bass
Montano, Vorgänger Otellos als Gouverneur von Zypern: Bass
Ein Herold: Bass
Desdemona, Otellos Gemahlin: Sopran
Emilia, Jagos Gattin: Mezzo

Eine Werkeinführung

„Otello“ ist eine der berühmtesten Kompositionen des italienischen Komponisten Giuseppe Verdi (1813–1901). Er schrieb das Werk im Alter von 70 Jahren, nachdem er mehr als zehn Jahre lang an keiner Oper mehr gearbeitet hatte. Seine „Aida“ war 1871 uraufgeführt worden und hatte trotz des großen Erfolges einige Kritiker zu der Häme veranlasst, Verdi sei ein „Nachläufer“ von Richard Wagner geworden. Vielleicht waren solche Aussagen mit verantwortlich dafür gewesen, dass Verdi sich als Opernkomponist zurückgezogen hatte.

Doch dann, im November 1879, erreichte ihn ein geniales Libretto: Arrigo Boito (1842–1918), ein von Verdi überaus geschätzter Textdichter und Komponisten-Kollege, hatte William Shakespeares Eifersuchts-Drama „Othello“ (italienisch „Otello“) neu für eine Oper verfasst – und Verdi, der immer auf der Suche nach guten Librettos gewesen war, zeigte sich begeistert: „Es ist von der ersten bis zur letzten Seite ein wirklich durchdachtes Operndrama.“

Also machte sich der gealterte Meister noch einmal ans Werk – und schuf ein Meisterwerk: Die Uraufführung von „Otello“ am 5. Februar 1887 wurde zum uneingeschränkten Triumph. Verdis Komposition, die vor allem an den Interpreten der Titelpartie große stimmliche Anforderungen stellt, steht bis heute regelmäßig auf den Spielplänen der internationalen Opernhäuser.

Die Handlung ist in einer Hafenstadt auf der Insel Zypern verortet und spielt Ende des 15. Jahrhunderts. Otello ist Befehlshaber der venezianischen Flotte im Krieg gegen die Türken. Im Libretto wird er als „Mohr“ beschrieben, also als dunkelhäutig, wobei diese Bezeichnung ursprünglich auf einen Mauren hinwies, einen Bewohner des islamischen Mauretaniens im Nordwesten Afrikas.

 

Die Handlung



Kurz und gut …

Einen karrierehungrigen Fähnrich, der nicht rechtzeitig zum Offizier befördert wurde, sollte kein Befehlshaber unterschätzen. Er läuft sonst Gefahr, am Ende seine eigene Frau zu erwürgen.

 

1. Akt: Der Platz vor einem Schloss

Ein heftiger Sturm tobt. Das Volk erwartet Otello, den Befehlshaber der venezianischen Flotte, zurück. Der „Löwen von Venedig“ war in eine Seeschlacht gegen die Türken gezogen. Jetzt ist sein Schiff bereits in Sicht, droht aber im Sturm zu kentern. 

Doch kurz danach kann Otello doch unbeschadet am Hafen anlegen. Er verkündet der Menge, dass die Türken vernichtend geschlagen worden sind („Esultate!“): 

Freut euch alle! Dem stolzen Türken haben
Die Fluten dort ein weites Grab gegraben.
Was den Waffen entrann, ertrank im Meere.
 

Das Volk jubelt – doch einer teilt die allgemeine Begeisterung nicht: Jago. Der Fähnrich fühlt sich von Otello übergangen. Denn dieser hatte kürzlich nicht ihn, sondern Cassio zum Hauptmann befördert. Jago ist deshalb entschlossen, sich zu rächen.

Und da ist noch jemand, den Otellos Sieg nicht freut: Rodrigo, ein edler Venezianer. Sein langem schon liebt er Desdemona, Otellos wunderschöne Gattin. Der zunehmende Ruhm des „Löwen“ lässt ihn nun verzweifeln. Er vertraut Jago an, am liebsten sterben zu wollen …

Dieser rät ihm, klug zu sein und auf günstigere Zeiten zu warten – und vertraut ihm an, sowohl „den Mohren“ zu hassen, als auch Cassio, dieses „aufgestutzte Offizierchen“, das ihn von seinem Platz verdrängt habe.

Während das Volk Otello als siegreichen Helden feiert und ein Freudenfeuer entfacht, lässt Jago seine Rachepläne mit kalter List zur Tat werden. Er stimmt zunächst ein Trinklied an, gesellt sich demonstrativ freundschaftlich zu Cassio und überredet ihn, zur Feier des Tages ordentlich mit ihm zu zechen – wissend, dass der pflichtbewusste Hauptmann leicht betrunken wird und demnächst seine Inspektionsrunde machen soll. 

Danach gelingt es Jago, Rodrigo gegen Cassio aufzubringen. Würde er den nun betrunkenen Hauptmann herausfordern, käme es sicher gleich zum Streit und zum Skandal. Otello müsste gegen Rodrigo vorgehen, und die erste Liebesnacht mit Desdemona nach seiner Rückkehr sei ihm damit gründlich verdorben …

Auf einen so reizvollen Plan lässt sich Rodrigo gerne ein, und er beginnt Cassio zu provozieren. Dieser reagiert, ganz wie Jago es erwartet hatte, mit aufwallendem Jähzorn, worauf sich Montano, Otellos Vorgänger als Gouverneur von Zypern, zwischen die beiden stellt, um den Streit zu schlichten. Dabei wird er verletzt, ein Aufruhr entsteht. Einer weiteren Idee Jagos folgend, heizt Rodrigo die Stimmung zusätzlich an, indem er zur Stadt eilt und die Sturmglocken läuten lässt. Jetzt wird Otello einschreiten müssen …

Der Befehlshaber erscheint tatsächlich kurz danach, ordnet sofortige Ruhe an und befiehlt Jago zu berichten, was vorgefallen sei. Dieser gibt sich überrascht und unwissend: Montano und Cassio seien eben noch Freude gewesen, „heiter und fröhlich“, dann seien sie plötzlich aufeinander losgegangen.

Otello stellt nun seinen Hauptmann zur Rede. Cassio ist völlig zerknirscht; er findet keine Worte zur Rechtfertigung. Als Otello entdeckt, dass Montano verletzt ist und als dann noch Desdemona erscheint, seine durch den Aufruhr beunruhigte Frau („aufgescheucht aus ihren süßen Träumen“), greift er durch und degradiert Cassio. Dieser lässt wortlos seinen Säbel fallen. Jago hebt ihn befriedigt auf und folgt dem Befehl, allgemein Ruhe zu stiften.

Kurz danach sind Otello und Desdemona allein und gedenken des Beginns ihrer großen Liebe („Già nella notte densa“). Diese solle „mit der Zahl der Jahre“ immer weiter wachsen.

Doch Jagos Rachedurst ist noch längst nicht gestillt … 

2. Akt: Ein ebenerdiger Saal im Schloss

Dem degradierten, zerknirschten Cassio gibt Jago nun einen „guten Rat“: Er könne Otellos Gunst sicher wieder gewinnen, wenn er Desdemona darum ersuche, sich für ihn einzusetzen. Sie sei doch schließlich Otellos „Herrin“. Cassio könne sie gleich zu Mittag sprechen, um diese Zeit weile Desdemona stets gemeinsam mit seiner Gattin, Emilia, im Schatten der Bäume des Schlossgartens.

Cassio schöpft neue Hoffnung und folgt Jagos Rat. Und der sieht genüsslich zu, wie sich die Fäden seiner Intrigen zu einem neuen Netz knüpfen. Er selbst ist sowieso davon überzeugt, dass ein grausamer Schöpfer in einem Spiel des blinden Zufalls die Welt regiert („Credo in un Dio crudel“) und will im Sinne dieses „Gottes“ handeln, bis „der dumme Spaß“, der Leben genannt wird, mit dem Tod endet …

Bei nächster Gelegenheit lenkt Jago geschickt, wie nebenbei, Otellos Aufmerksamkeit auf Cassio. Dieser habe soeben mit Desdemona gesprochen – in einer Art, ihm bedenklich erscheine … doch was er vermute, sei sicher nur „ein Gedanke des Wahnes“ …

Otello zwingt Jago auszusprechen, woran er denkt. Und dieser deutet – „aus Liebe zu seinem Herrn“ – an, dass sich zwischen Desdemona und Cassio schon lange etwas angebahnt haben könnte. Und doch solle sich Otello „vor Eifersucht bewahren … 

Sie ist die blinde, glatte Schlange,
Die sich vom Blut des Herzens nähret
Und sich im eignen Gift verzehret.“
 

Jago ist es gelungen, Zweifel zu säen. Zwar nimmt Otello sich vor, Desdemona ohne einen Beweis nicht der Untreue zu bezichtigen, doch als sie ihn kurz darauf um Gnade für Cassio anfleht („Verzeih’ ihm, Lieber!), reagiert Otello verstimmt („Jetzt nicht!“) und weist ihren Wunsch barsch zurück („Jetzt nicht!“). 

Desdemona ist verwirrt. Sie fragt ihren Mann, ob etwas nicht stimme; Otello macht Kopfschmerzen für seine Gereiztheit verantwortlich. Sie will ihm ein Tuch um die Stirn binden, aber er wirft es zu Boden und befiehlt ihr, ihn in Ruhe zu lassen.

Emilia, Desdemonas Freundin, hebt das Tuch auf. Da zwingt Jago, ihr Gatte, sie dazu, ihm dieses spezielle Spitzentuch auszuhändigen. Emilia ahnt, dass er damit etwas Unheilvolles im Schilde führt, ist ihm gegenüber aber machtlos, und Jago gebietet ihr, darüber zu schweigen.

Indes wird Otello mehr und mehr von Eifersucht geplagt. Er stellt Jago zur Rede, fordert Beweise für eine Beziehung zwischen Cassio und Desdemona. Jago erzählt ihm, dass er Cassio im Schlaf über Desdemona habe reden hören („Era la notte, Cassio dormia“) – und … dass er bei ihm jenes weiße Spitzentuch gesehen habe, das Otello einst Desdemona geschenkt habe.

Mehr braucht es nicht. Otello schwört nun Rache, und Jago stimmt heuchelnd in den Schwur mit ein („Si, pel ciel marmoreo giuro!“).

Bei des Himmels eh’rnem Dache,
Bei dem Blitz, der niederfährt,
Bei der schwarzen Nacht des Meeres,
Bei dem Hass, der mich verzehrt,
Bei dem Tode schwör’ ich Rache.
Was mein Herz begehrt,
Diese Hand, sie wird’s erreichen!
Beim ewigen Gott!

3. Akt: Der Hauptsaal im Schloss

Jago und Otello haben sich im Hauptsaal des Schlosses verabredet, als ein Herold die Ankunft einer venezianischen Gesandtschaft meldet. Jago stellt seinem Herrn in Aussicht, dass er bald Beweise für Cassios heimliche Beziehung zu Desdemona erhalten werde. Er müsse nur das Taschentuch im Sinn behalten …

Als daraufhin Desdemona ihren Gatten arglos nochmals um Gnade für Cassio bittet, kocht in Otello sofort die Eifersucht hoch. Heuchlerisch klagt er über Kopfschmerzen, das alte Leiden sei immer noch nicht vergangen, und verlangt von Desdemona, seine Stirn mit dem Spitzentuch zu verbinden, das er ihr geschenkt habe. Als sie gesteht, es nicht bei sich zu haben, beschuldigt er sie sofort wütend der Untreue, beschimpft sie als Dirne.

Desdemona ist entsetzt über das Verhalten ihres Gemahls. Sie vermutet, dass der Schmerz ihn verwirrt habe und beteuert unter Tränen ihre Unschuld. Otello wird noch einmal nachdenklich, drängt sie aber zu gehen, ehe er niedergeschlagen über sein Schicksal grübelt („Dio mi potevi scagliar“):

Gott, warum hast du dieses Elend, diese Leiden
Gehäuft auf meinen Scheitel?
Von meinen Siegen und Triumphen muss ich scheiden! …
Alles ist eitel!
Gern möcht’ ich glauben, mein wäre die Schuld,
Und gern die Plagen
In Ruhe tragen,
In deinen Willen fügen
Mich mit Geduld.
Doch – Gram und Schmerz! – der Spiegel meiner Wonne,
Der mich bezaubert, brach in Stücke,
Und mit verzerrten Zügen
Wirft er in tausend Fratzen mein Bild zurücke! 

Kurz danach gibt Jago Bescheid, dass Cassio nun gleich eintreffen werde. Otello ist zwischen seiner Liebe zu Desdemona und der quälenden Eifersucht hin und her gerissen. Jago schlägt ihm vor, sich zu verbergen und heimlich dem Gespräch zu lauschen, das er gleich mit Cassio führen werde.

Otello folgt dem Rat. Er hört in der Folge zwar nur Fragmente des Dialogs von Jago und Cassio – doch die erhärten seinen Verdacht. Denn Jago gelingt eine perfekte Inszenierung, die Cassio als Nebenbuhler erscheinen lässt: Offenbar, meint der angestrengt lauschende Otello zu hören, spricht Cassio wirklich über Desdemona (in Wahrheit, weil er erfahren will, ob ihre Fürsprache etwas bewirkt hat) … Offenbar scherzt er auch noch über seine heimliche Beziehung mit ihr (in Wirklichkeit hatte Jago sein Gespräch mit Cassio auf ein Mädchen namens Bianca gelenkt) … Und nun zieht Cassio auch noch Desdemonas Taschentuch aus dem Brustlatz – der letzte Beweis für ihre Untreue (Jago hatte Cassio das Tuch geschickt zugesteckt, und dieser wundert sich nun, das teure Stück hervorziehend, wo es wohl verloren gegangen war)!

Entsetzt meint Otello, genug gehört und gesehen zu haben und ist nun wild entschlossen, seine Frau für ihre Untreue mit dem Tod bezahlen zu lassen. Er will sie vergiften, doch Jago, der indes sein folgenreiches Gespräch mit Cassio beendet hat, rät ihm, Desdemona besser zu erwürgen, „dort im Bette, dort, wo sie gesündigt“. Um Cassio werde er sich kümmern. Otello überzeugt die „Gerechtigkeit“ in diesem Plan …

Doch nun überbringt die venezianische Gesandtschaft eine überraschende Nachricht: Otello wird nach Venedig berufen, Cassio solle sein Statthalter werden.

Lodovico, einer der Gesandten, ist erstaunt, als er erfährt, dass Cassio, dessen Karriere ihm so lupenrein und aussichtsreich erschien, bei Otello in Ungnade gefallen ist. Desdemona aber zeigt sich zuversichtlich, dass ihr Mann gegenüber dem Getreuen letztlich doch Milde walten lassen werde. Als Otello diese Bemerkung seiner Frau hört, kochen Zorn und Eifersucht dermaßen in ihm hoch, dass er sie öffentlich anherrscht („Du Teufel, schweige!“) und schließlich zu Boden schleudert.

Lodovico ist entsetzt über das ungestüme Verhalten des „erhabenen“ Otello und leistet Desdemona Beistand, während Jago die Raserei seines Herren geschickt noch weiter schürt. Cassio werde bereits am kommenden Morgen Statthalter sein, die Zeit sei kostbar. Also gibt Otello Jago grünes Licht für dessen Plan, Cassios Seele „hinabzuschicken in die Hölle“.

Sogleich holt sich Jago einen willigen Helfer für die anstehende „Jagd“: Rodrigo. Ihm, meint er, müsse es doch auch ein Anliegen sein, dass Cassio in dieser Nacht etwas zustößt. Denn nur dann würde Otello nicht nach Venedig aufbrechen, sondern hier weiter seine Pflicht erfüllen müssen – und mit ihm bliebe Desdemona auch für Rodrigo in Reichweite …

Indes rafft sich der in sich versunkene, grübelnde Otello noch einmal auf und verscheucht alle Umstehenden „mit schrecklicher Gebärde“, so dass er ihnen fast schon als verrückt erscheint. „Nur ich selbst entflieh’ mir nicht!“, ruft er, völlig niedergeschlagen und stammelt noch etwas von dem Taschentuch, ehe er im Saal des Schlosses erschöpft in Ohnmacht fällt.

Während von draußen immer noch Fanfaren erklingen und die Siegesrufe des Volkes ertönen („Ehre dem Löwen Venedigs“), richtet sich Jago „mit der Gebärde eines schrecklichen Triumphes empor und zeigt auf den regungslosen Körper Othellos“: 

Da liegt der Löwe!

4. Akt: Desdemonas Schlafgemach

Desdemona macht sich in ihrem Schlafgemach bereit für das Bett. Sie ist niedergeschlagen, hat Todesahnungen, teilt ihren Schmerz mit Emilia („Mia madre aveva una povera ancella“) und sucht Trost im Gebet („Ave Maria, piena di grazia“).

Nachdem sie eingeschlafen ist, betritt Otello mit verhaltener Wut das Schlafgemach, betrachtet lange seine Frau und küsst sie zuletzt drei Mal. Er ist entschlossen, sie zu töten.

Als Desdemona beim letzten Kuss erwacht, wirft Otello ihr sogleich kalt ihre „Sündhaftigkeit“ vor. Sie liebe Cassio und würde jetzt auf ihrem Totenbett liegen. 

Desdemona beteuert ihre Unschuld, bittet darum, nur in dieser Nacht noch leben zu dürfen … eine Stunde wenigstens … zwei Minuten … nur für ein letztes Gebet. Doch Otello, völlig verblendet, kennt kein Mitleid mehr, erdrosselt seine Frau und betrachtet kalt ihren sterbenden Körper.

In diesem Augenblick klopft es an der Tür, Emilia stürmt herein und meldet, dass Cassio Rodrigo getötet habe. Entsetzt siehe sie die sterbende Desdemona. Otello rechtfertigt seine Tat mit der Überzeugung, dass sie ihn betrogen und Cassio geliebt habe. Das Taschentuch habe die beiden verraten.

Nun kann Emilia nicht länger schweigen: Verzweifelt gesteht sie, dass Jago, ihr Mann, das Taschentuch von ihr erhalten habe. Sie stürmt zur Tür und ruft um Hilfe. 

Montano erscheint sofort mit bewaffneten Männern. Doch für Desdemona gibt es keine Rettung mehr. 

Jagos diabolische Machenschaften werden indes offenbar. Denn Montano berichtet, dass Rodrigo ihm im Sterben alles über die Intrige erzählt habe. 

Jago flüchtet, verfolgt von einigen Bewaffneten, und Otello erkennt, dass seine Frau völlig schuldlos war. Er tritt fassungslos an ihr Bett:

Und du! … wie bist du bleich, mein Lieb!
Wie müde, wie schweigsam und wie
Reizend! Armes Geschöpf,
Geboren unter Unglückssternen, kalt,
Liebliches Kind, als wie die Keuschheit,
Gingst zum Himmel du.
O Desdemona! Desdemona! …
Mein süßes, totes Liebchen!
 

Otello zieht heimlich einen Dolch, nimmt sich damit das Leben („Ich folge dir“) und sinkt über Desdemona zusammen.

 

(Libretto-Übersetzung ins Deutsche: opera-guide.ch)