Ist die Menschheit am Ende?

Szenarien für einen großen Umbruch oder sogar für ein Ende der Menschheit gibt es seit Jahrzehnten viele – und die ökologische Situation auf dem Planeten Erde lässt tatsächlich befürchten, dass Dramatisches geschehen wird. Oft entspringen Gedanken oder Ahnungen, dass es grundlegende Umwälzungen geben wird, nur dem dumpfen Gefühl, dass es „so wohl nicht weitergehen kann“. Aber diese Vermutungen haben auch einen wissenschaftlichen Hintergrund: Eine Studie, die auf der Grundlage eines NASA-Modells durchgeführt wurde, kommt zum Schluss, dass der Untergang unserer Zivilisation praktisch unvermeidlich ist.

Für die interdisziplinären Studie auf der Basis eines von der NASA entwickelten Modells arbeiteten Mathematiker, Soziologen und Ökologen zusammen. Ein Ausgangspunkt der Überlegungen war die Erfahrung aus der Kulturgeschichte, dass hoch entwickelte Kulturen oft sehr anfällig für existentielle Krisen waren. Der Prozess des Aufstiegs und Kollapses sei „ein immer wiederkehrender“ Vorgang: „Der Niedergang des römischen Reiches und die einst ähnlich weit entwickelten Dynastien von Han, Maurya und Gupta sowie die mesopotamischen Hochkulturen sind Beispiele für die Tatsache, dass hoch entwickelte, fortschrittliche, komplexe und kreative Zivilisationen sowohl zerbrechlich als auch nicht von Dauer sind“, formulieren die Studien-Autoren.

Aber was sind die Gründe dafür? Eine Analyse zeigte, dass es offenbar fünf Risiko-Faktoren für den Kollaps menschlicher Zivilisationen gibt. Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Wasserversorgung, Landwirtschaftsentwicklung und Energieverbrauch sind demnach Schlüsselfaktoren für die Stabilität des Wohlstandes. Sobald diese Faktoren so zusammenwirken, dass daraus bestimmte problematische Entwicklungen resultieren, ist der Kollaps über kurz oder lang offenbar nicht mehr zu verhindern.

Zwei typisch fatale Entwicklungen, die beim Untergang aller großen Hochkulturen in den letzten 5.000 Jahren eine Rolle gespielt haben, sind nach Ansicht der Forscher auch heute wieder zu beobachten: die Überlastung der Ökosysteme durch einen zu hohen Verbrauch der globalen Ressourcen und gleichzeitig die Aufspaltung der Gesellschaft in reiche Eliten und einen zunehmend verarmenden Rest. „Der angehäufte Überfluss ist in der Gesellschaft nicht gleich verteilt und wird stattdessen von einer Elite kontrolliert. Der Großteil der Menschen, der den Wohlstand produziert, bekommt nur den Bruchteil von dem, was die Elite bekommt“, befindet die Studie.

Nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit kann der Untergang unserer Zivilisation kaum verhindert, allenfalls verzögert werden – durch sparsameren Umgang mit den Ressourcen, die konsequente Nutzung alternativer Energiequellen und eine gerechtere Verteilungspolitik. Doch lässt dies die Natur unserer Gesellschaft zu? Eine Gesinnung, die eher nur auf persönlichen Vorteil aus ist?

Die Wissenschaftler sind skeptisch, denn auch wenn die nötigen Veränderungen langsam erkannt werden, „sind es die Eliten, die genau diese Veränderungen verhindern.“ Demnach ist der Zusammenbruch unvermeidlich.

Die Studie befasste sich auch mit der Frage, ob der technologische Fortschritt nicht entscheidend zur Schonung der Ressourcen beitragen könnte. Aber auch dieser Gedanke könnte allzu naiv sein: „Technologischer Fortschritt kann die Effizienz in der Ressourcen-Nutzung steigern. Aber er steigert auch die Ressourcennutzung durch die, die Kapital besitzen und erhöht damit wieder den Ressourcenverbrauch. Wenn die Politik nicht einschreitet, kompensiert das die Einsparung an Ressourcen durch den technologischen Fortschritt.“

Bleibt vielleicht noch die vage Hoffnung, dass uns die heute wie noch nie zuvor gebotenen Chancen, größere Entwicklungszeiträume zu überblicken und aus Fehlern zu lernen, und auch die weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten, die dazu beitragen, Entwicklungen frühzeitiger bewusst zu machen, doch noch Auswege eröffnen, die früheren Hochkulturen verschlossen bleiben mussten.

Fest steht, dass sich die Gesinnung des Menschen ändern muss, sein Verantwortungsbewusstsein und auch sein Wissen um sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten. Katastrophen jeglicher Art können als Anregungen zur Kurskorrektur dienen – aber sie führen, wie Beispiele aus der Geschichte zeigen, nicht zwangsläufig zu besseren Verhältnissen. Deshalb erscheint – auch im Hinblick auf die aktuelle Studie – jeglicher „Grundpessimismus“, das Warten auf den „Untergang“ oder auf bessere Verhältnisse unangebracht.

„Die Zukunft erkennt man nicht, man schafft sie“, formulierte der polnische Philosoph Stanislaw Brozozowslo vor etwa 100 Jahren.

Nur darauf kommt es an: Was wir jetzt tun, entscheiden, aufbauen, schaffen – oder unterlassen –, das ist es, was die Zukunft gestaltet. Was wir uns dagegen theoretisch „ausmalen“ – ob auf Grund wissenschaftlicher Studien zur Zukunft oder religiös-spiritueller Erwartungen – bleibt letztlich ohne Belang.