Google für die Wohlfühlzone


Informationen prägen unser Weltbild. Für die Suche nach neuen Erkenntnissen sind Google & Co wichtige Werkzeuge geworden. Ob das wirklich von Vorteil ist?

Es gibt Menschen, die bei Ihrer Suche im Netz fortwährend neue Beweise für Verschwörungstheorien finden. Videos beispielsweise, die so entlarvend sind, dass sie, wie angenommen wird, demnächst wieder aus dem Internet verbannt werden; Akten und Aussagen, deren Existenz von den „sowieso gleichgeschalteten Massenmedien“ konsequent verschwiegen werden; sichere Belege dafür, dass wir alle von den mächtigen Führern und Finanzhaien dieser Welt beobachtet, ausgenutzt und verdummt werden.

Es gibt andere, die bei Ihrer Suche im Netz vorrangig redaktionell aufbereitete Nachrichten und Blog-Beiträge finden, die interessante Diskussionen verfolgen, wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse entdecken oder an bemerkenswerten philosophischen Gedanken und kulturellen Darbietungen teilhaben.

Wieder andere finden, sobald sie online gehen, im Handumdrehen die gesuchte Unterhaltung. Filme, Spiele, Sex … 

Was immer dem Einzelnen von Suchmaschinen wie Google über den Computer-Browser präsentiert wird, ist nicht nur, wie man naiv meinen könnte, ein neutrales Ergebnis, das für alle Internet-Nutzer auf Grund der gewählten Suchbegriffe gleich erscheint. Nein, es handelt sich um ein „gefiltertes“ Ergebnis. Intelligente Computersysteme folgern nämlich aus dem bisherigen Suchverhalten eines Nutzers, was ihn interessiert und präsentieren auf dieser Grundlage einen sehr persönlichen Blickwinkel auf das Weltgeschehen.  

Diese Tatsache wird im Allgemeinen als angenehm erlebt. Denn jeder Mensch freut sich, wenn er seine Meinung, also das, was er sowieso schon dachte, durch neue Belege und ähnliche Meinungen bestätigt findet, wenn er also im Nu „Beweise“ für die Richtigkeit seines Weltbildes vor sich auf dem Bildschirm sieht. 

Was wir auch im menschlichen Miteinander schätzen und vielleicht sogar aktiv suchen – die Zustimmung von Freunden, die Bestätigung der eigenen Weltsicht durch andere –, findet im Netz seine konsequente Fortsetzung.

Das Problem ist nur: Wirklich neue Blickwinkel öffnen sich dadurch nicht. Es bleibt ein Auf-der-Stelle-Treten, auch wenn das Altbekannte sich in immer neuen Formen und Gedankenvarianten zeigt. 

Wer seine Persönlichkeit wirklich im besten Sinn des Wortes bilden, also entwickeln und sich dadurch auch ein Stück mehr Freiheit erobern will, kommt ohne die Offenheit für Neues nicht weiter. Gesunde „Neu-Gier“ ist ein wertvoller Antrieb. Deshalb ist es sinnvoll, die eigenen Ansichten immer wieder einmal selbstkritisch und grundlegend zu hinterfragen. 

In Gang gesetzt wird eine solche kritische Suche nach neuen Ansätzen und Blickwinkeln aber leider oft erst durch persönliche Krisen. Denn die Wohlfühlzone der immer neuen Selbstbestätigung durch Gleichgesinnte und Gleichgesinntes verlassen nur wenige freiwillig. Die Programmierer von Google & Co wissen das, Marketingstrategen und Psychologen ebenfalls.