UFO-Glaube und Erlösungs-Spekulation

Die Frage, ob wir allein im Universum sind, wird um so drängender, je mehr wir von den unermesslichen Dimensionen des Weltalls wissen – und die Wahrscheinlichkeit, dass es „irgendwo da draußen“ Leben – auch menschenähnliches Leben – gibt, erscheint hoch. Aber kann es wirklich sein, dass die Erde von Außerirdischen in „Unbekannten Flug-Objekten“ besucht wird? Aber was steckt hinter dem „UFO-Phänomen“? Nur der Nervenkitzel eines extrem spekulativen Themas – oder doch mehr?

Gibt es intelligente außerirdische Lebewesen, die uns in UFOs – vielleicht schon lange – besuchen? Wer sich dieser Frage wissenschaftlich nähern will, steht bald vor einer Mauer. Zwar kann man eine einfache Rechnung anstellen: Es gibt 100 Milliarden Galaxien, jede besteht aus etwa 100 Milliarden Sonnen – und wenn um nur jede millionste Sonne ein bewohnbarer Planet kreist, so ergibt das 10 Billiarden potentielle Lebensplätze. Und im All werden tatsächlich immer neue Planeten entdeckt.

Aber die Entfernungen im Weltraum erscheinen so groß und unüberwindlich, dass jeder Kontakt zwischen diesen Biotopen des Universums als extrem unwahrscheinlich eingestuft wird. Deshalb werden Menschen, die ernsthaft mit UFO-Besuchen rechnen, eher als Sonderlinge angesehen.

UFO-Gläubige dagegen wischen einfache Entfernungs- und Reisezeitberechnungen vom Tisch: Es könnte ja intelligentes Leben geben, das viel weiter entwickelt ist als wir und das über technische Möglichkeiten verfügt, von denen wir nur träumen können. Vor allem aber weisen sie auf die zahlreichen Sichtungen unbekannter Flugobjekte hin, die weltweit bereits seit den 1940er Jahren dokumentiert wurden.

UFO-Sichtungen: Was ist dran?

Freilich: Berichte über UFO-Sichtungen – es wurden weltweit zigtausende dokumentiert – kann man leicht als „fragwürdig“ abtun: Fotos und Filme lassen sich fälschen, und sicher hatte schon so mancher Zeitgenosse seinen Spaß daran, andere mit trickreichen Aufnahmen und geschickten Schwindeleien hinters Licht zu führen.

Außerdem darf unterstellt werden, dass auch spirituelle Erlebnisse leicht als UFO-Kontakt fehlinterpretiert werden können, wenn sich der betroffene Mensch auf entsprechenden Gedankenspuren bewegt. Die Begriffe „überirdisch“ und „außerirdisch“ werden ja kaum einmal klar abgegrenzt.

Jedenfalls gibt es Aussagen über UFO-Sichtungen, die nicht so leicht vom Tisch zu wischen sind. Edgar Mitchell beispielsweise, ein früherer NASA-Astronaut, der 1971 an der Apollo-14-Mondmission teilgenommen hat, ist überzeugt davon, dass außerirdisches Leben existiert und dass uns andere Intelligenzen besuchen: „Meiner Meinung nach sollen wir uns darauf vorbereiten und herausfinden, was wirklich dort draußen vor sich geht“, äußerte er im Rahmen einer Konferenz, die von der „Initiative für Exopolitik“ („exo“ = außerhalb) in Washington veranstaltet wurde.

Mitchell wuchs in Roswell auf, jenem Ort in New Mexico, der als angeblicher Absturzort eines UFOs im Jahr 1947 Berühmtheit erlangte. Damals seien, so der frühere Astronaut, die Einwohner des Ortes von Militärangehörigen zum Stillschweigen über das Ereignis gedrängt worden.

Seit dem 1. Juni 2007 gibt es auch in Deutschland eine „Initiative für Exopolitik“, nach eigener Definition ein „Netzwerk von Menschen, welche sich zum Ziel gesetzt haben, die Verschleierung der außerirdischen Präsenz auf der Erde nicht länger hinzunehmen.“

Was auch immer „verschleiert“ wurde – es wurde offenbar tatsächlich etwas geheimgehalten, denn einzelne Staaten haben damit begonnen, einschlägige Dokumente zu veröffentlichen – Großbritannien, Mexiko, Kanada, Dänemark. An markigen Worten im Umfeld dieses Themas fehlt es nicht. Paul Hellyer beispielsweise, ehemaliger kanadischer Vizepremier und Verteidigungsminister, forderte das amerikanische Volk auf, sich gegen den „Geheimhaltungswahn der Militärs und des Geheimdienstes“ zur Wehr zu setzen.

Und Dr. Steven Greer, der nach Kontakten mit Insidern aus Militär und Regierung seinen Beruf als Notarzt aufgab, um seine Überzeugung in die Welt zu tragen, dass „unsere Regierungen seit Jahrzehnten über die Existenz von Außerirdischen Bescheid wissen“, arbeitet intensiv an einem „Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen“. In einer Presseaussendung wies er schon vor Jahren auf diesbezügliche Absprachen mit Regierungsvertretern mehrerer Staaten hin, stellte einen „Durchbruch“ in Aussicht …

Pseudoreligiöse Erlösungs-Spekulationen

Die Medienberichterstattung zum Thema „UFOs“ hat in den vergangenen Jahren einen seriöseren Anstrich bekommen. Seit der Entdeckung des ersten erdähnlichen Planeten im All (20 Lichtjahre von der Erde entfernt) erscheint es weniger ketzerisch, über außerirdisches Leben nachzudenken.

Sogar die katholische Kirche signalisiert Offenheit: „Der katholische Glaube ist mit der möglichen Existenz von Außerirdischen durchaus vereinbar“, zitierte die Zeitung „L’Osservatore Romano“ José Gabriel Funes, Astronom im Vatikan.

Sind solche Entwicklungen ein Zeitzeichen für ein neues, offeneres Weltbild?

Wohl kaum. Meines Erachtens passt das UFO-Phänomen – unabhängig vom Wahrheitsgehalt – recht gut zur traditionellen Glaubens-Kultur unserer Gesellschaft. Demnach darf der sündige Mensch auf Erlösung von außen hoffen. Und wer sich dabei nicht auf christliche Heilsbotschaften verlassen will, findet in der Erwartung des rettenden Raumschiffs eine moderne Glaubensalternative.

Der Gedanke, dass innerer Wandel, also eigene Bildungs- und Entwicklungsarbeit zu Erlösung (auch aus dumpfem Glauben) führen könnte, scheint dagegen im Bewusstsein vieler Lichtjahre entfernt …