Ein Hort der Hoffnung in einer Welt voller Angst

Niki Caros Drama „Die Frau des Zoodirektors“ beleuchtet den polnischen Widerstand im 2. Weltkrieg

1. September 1939: Brutal, menschenverachtend und ohne dass dem irgendeine Provokation vorausgegangen wäre, überfallen deutsche Truppen Polen, marschieren in Warschau ein, töten Unschuldige, besetzen das Land. Mit diesem völkerrechtswidrigen Angriff entfesselt Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg in Europa. 

Am 3. September 1939 erklären Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg. Die beiden Länder hatten sich gegenüber Polen vertraglich zum Beistand verpflichtet, sind auf eine Offensive jedoch strategisch nicht vorbereitet.

Wenige Wochen später steht der Sieg der deutschen Truppen fest, das Verhängnis nimmt seinen Lauf: Polen ist besetzt, Massenmorde an Intellektuellen und anderen Menschengruppen folgen, die Warschauer Juden werden ins Ghetto verfrachtet, der Vernichtungskrieg wirft seine Schatten voraus … 

Diese dramatischen Ereignisse stehen im Hintergrund des Dramas „Die Frau des Zoodirektors“, mit der der neuseeländischen Regisseurin Niki Caro, unterstützt durch ein erstklassiges Ensemble, eine sehenswerte Verfilmung des internationalen Roman-Bestsellers von Diane Ackerman gelang, auf wahren Begebenheiten beruhend.

Jan Zabiñski (Johan Heldenbergh) und seine Frau Antonina (Jessica Chastain) haben bis zu den schicksalshaften Septembertagen mit großer Liebe den Warschauer Zoo geleitet. Mit dem Einmarsch der Deutschen ändert sich von einen Tag auf den anderen alles für sie – und für die Tiere. Einige werden erschossen, die anderen dem selbstverliebten deutschen Chefzoologen Lutz Heck (Daniel Brühl) überantwortet.

Doch schon bald zeigt sich, dass das Schicksal der Tiere nicht das größte Problem ist: Die ins Warschauer Ghetto verfrachtete jüdische Bevölkerung erlebt dort die Hölle. Den Menschen wurde ihr Besitz genommen, sie hungern, frieren, sterben, verharren in zunehmender Hoffnungslosigkeit, während die Nazis die „Endlösung der Judenfrage“ vorbereiten.

Indes entwickelt sich, unter Lebensgefahr für alle Beteiligten, eine Untergrundbewegung. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Juden aus den Mauern des Warschauer Ghettos zu befreien. Jan und Antonina unterstützen diese Bewegung. Offiziell züchten sie in ihrem Zoo nun Schweine zur Fleischversorgung der Nazis, wofür sie fressbare Abfälle aus dem Ghetto holen, inoffiziell schmuggeln sie bei dieser Gelegenheit Menschen nach draußen – und beherbergen sie in Kellerräumlichkeiten, bis Möglichkeiten zur Weiterreise organisiert sind.

Ein brandgefährliches Unternehmen, das durch Lutz Hecks Avancen, bei der Frau des Zoodirektors auch als strammer Germane zu landen, eine zusätzliche Dimension erhält. Antonina spielt mit, spielt ihm etwas vor, überspielt ihre Angst mit der Miene der Bereitwilligkeit … um Menschen inmitten einer Welt voller Angst einen Hort der Hoffnung zu bieten – und möglichst viele Leben zu retten.

Letztlich sind es über 300, die durch ihren Mut vor dem sicheren Tod bewahrt werden können.

Niki Caro erzählt die dramatischen und spannungsgeladenen Ereignisse in ihrem Film (Drehbuch: Angela Workman) ruhig und betont (vielleicht etwas zu) stark Empfindungsaspekte. „Du siehst in ihre Augen und du kannst direkt in ihre Herzen sehen“ – diese Aussage trifft hier auf Mensch und Tier zu. Mit der Ausnahme-Schauspielerin Jessica Chastain ist die Hauptrolle ausgezeichnet besetzt, Daniel Brühl und Johan Heldenbergh sorgen für weitere adäquate Rollenporträts.

Auch wenn der Regisseurin kein filmischer Meilenstein gelang wie Steven Spielberg mit „Schindler’s Liste“, so hat das Ehepaar Jan (1894–1974) und Antonina Zabiñski (1908–1971) in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs einen mit Oskar Schindler (1908–1974) durchaus vergleichbaren Stellenwert – und mit dem Film „Die Frau des Zoodirektors“ nun spät, aber doch ein gelungene filmische Würdigung erfahren.

(2017, 128 Minuten)